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0 Autor: Britta Helm

Haraball - Hypno

Hypno

Einlullen tut da gar nichts. Auf ihrem dritten Album verwirren die norwegischen Dreckpunks mit schwitzigen Stehpausen.

Länger, experimenteller und noisiger gehe es auf dem Nachfolger des 2014 erschienenen "Half Tux" zu, sagen Haraball und meinen damit, dass gleich mehrere Songs über die Drei-Minuten-Grenze stolpern und einer sogar an der Fünfeinhalb-Minuten-Marke kratzt. Statt so lange stumpf zu brettern, tanzen die Stücke im Kreis um Säbelgitarren und Kellerpunkgesang herum, joggen mit heruntergelassener Hose durch Dudelgewaber und fallen immer wieder zurück, um sich kurz auszuschütteln, Luft zu holen und dann wieder auf der Stelle anzulaufen, bevor sie schwungvoll vornüber fallen. Neu ist der Synthesizer, den Haraball orgelig spielen, als hätten sie ihn einer französischen Mod-Band geklaut und könnten jetzt die Einstellungen nicht mehr ändern; alt bleiben der Metal-Anflug im Schlagzeug und die allgemeine Räudigkeit, mit der sie alles so klingen lassen, als würde der Kassettenrekorder im Auto jede Sekunde das Band fressen. Immerhin heißt diesmal kein Song irgendwas mit Nazi, und "Blücher" ist vermutlich wieder als clevere Metapher auf die allgemeine menschliche Dummheit gemeint. Ihre Heimat Kongsberg sei vor allem deshalb so super, hat ihr Label schon zu den beiden "Hypno"-Vorgängern merkwürdig erklärt, weil es in der dortigen Hardcore-Szene nicht allzu politisch korrekt zugehe, und wer unbedingt will, findet bei Haraball immer noch den passenden Krach, um sich dazu ein Zehn-Euro-Bier über den nackten Oberkörper zu kippen. Die Frage ist nur, wer das nachher wieder saubermacht. Für Dauerklebrigkeit sind wir alle inzwischen doch zu alt.

Bewertung: 7/12

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