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0 Autor: Carsten Sandkämper

Awooga - Conduit

Conduit

Die Echos der 90er wehen durch das erste Album des englischen Trios. Grunge ist nicht tot, vielmehr hat er im Mid-Tempo des New York Hardcore und jenseits von Tool einen Neuanfang im Blick.

Wer die letztjährige EP "Alpha" noch im Ohr hat, kennt Awoogas Prämisse: schwere Riffs, episch aufgepumpt und in aller Ruhe, konsequent im Bereich von unter 60 bpm, dem Hörer in die Magengrube gedrückt, dazu schwebend harmonische Melodien und Gitarren aus dem Weltraum. Neben einer ordentlichen Portion Psychedelia kennen Awooga die Wirkung von Gitarrenwänden und den Effekt der gemeinsamen Eins. Das macht vieles auf ihrem Debüt leicht entflammbar. Selbst wenn ein Song wie "Bandit" zwischendurch etwas experimentell durch verschiedene Taktarten wabert, dosieren Awooga ihre Abenteuer so clever, dass auch Abwegiges eingängig klingt. Das elfminütige "Witness" erklärt am besten, warum sie auf dem Label von Amplifier-Bassist Sel Balamir gelandet sind und mit dessen Band auf Tour waren: Die Lust am psychedelischen Ausflug jenseits von Zeit und Raum ist auch bei Awooga Programm. Trotzdem macht das Trio auf "Conduit" vor allem auf der Kurzstrecke alles richtig, angefangen bei der Single "Waterhole", die jedem Alice-In-Chains-Fan der ersten Stunde ein nostalgisches Grinsen abringen dürfte, bis hin zum Walter-Schreifels-Gedächtnis-Hit "Tabula Rasa". Unausweichlich ist an dieser Stelle natürlich der Hinweis, dass die Musik zwar starke Assoziationen hervorruft, trotzdem eigenständig klingt. Floskel hin oder her: Eine Band, die 2018 ohne Ironie mit Holzfällerhemden auf der Bühne steht, schert sich wahrscheinlich einen Scheiß um derartige Kleingeistigkeit.

Bewertung: 9/12

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