Zur mobilen Seite wechseln
0 Autor: Martin Burger

Toundra - Vortex

Vortex

Die Wüste bebt: Die spanischen Post-Rocker fegen auf ihrem fünften Album euphorisch über weitläufige Sandlandschaften. Da steckt zwar kaum Neues drin, dafür viel Spielfreude und kompositorischer Schneid.

Echt mal: Wie sich "Cobra" aufschwingt, was für eine Kraft da drinsteckt! Wie gut man sich vorstellen kann, wie die vier Madrilenen im Proberaum beim Spielen selig lächeln. Wie gut man sich ebenso vorstellen kann, dass es ihnen schnurzegal ist, wenn Kritiker ihrem instrumentalen Rock Innovation absprechen. Solange sie noch etwas Tempo und Stimmung zu ihren wortlosen Storys addieren können, ist alles prima. Auf dem Vorgänger "IV" war es sozusagen noch "Als die Tiere den Wald verließen", diesmal verlegen Toundra das Setting für ihre Power-Exkursionen ins Niemandsland, außerdem spielen Außerirdische eine Rolle – oder zumindest fremde Kreaturen: Namensgeber des manischen "Roy Neary" ist die Alien-verrückte Hauptfigur aus Spielbergs "Unheimliche Begegnung der dritten Art", der zum Heulen schönen Single "Kingston Falls" liegt die fiktive Kleinstadt zugrunde, in der die Gremlins ihr Unwesen trieben. Hauptsächlich klingt "Vortex" (die römische Ziffer nett integriert) aber nach Geschwindigkeitsrekord-Versuchen mit zwischenzeitlicher Kontemplation in der Oase unter dezenter Einbeziehung elektronischer Spielereien. Der Longtrack "Mojave" betritt ein herbes Land, thront später in dünnster Luft und wirbelt zum Schluss wie ein Derwisch auf einer verdorrten Steppe, und was der "Tuareg" unterwegs so sieht, muss atemberaubend sein. Im Gegensatz zu Auf-der-Stelle-Tretern wie If These Trees Could Talk zeigen Toundra, wie man sich und seinem Genre treu bleibt und trotzdem überzeugt.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 11.5/12

Bitte einloggen, wenn du diese Platte bewerten möchtest.

Bitte einloggen, wenn du diese Platte kommentieren möchtest.