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0 Autor: Martin Burger

The Low Anthem - The Salt Doll Went To Measure The Depth Of The Sea

The Salt Doll Went To Measure The Depth Of The Sea

Tief ist die See, unerforscht und bitterkalt. Nein, nochmal: Magisch ist die See, blassblau schimmernd und behaglich. Wenn es nach Ben Knox Miller geht jedenfalls, und sie lässt ihn nicht los, bis er selbst zu Wasser wird.

Vorüber sind die Zeiten, als man The Low Anthem noch in einem Atemzug nennen konnte mit The Head And The Heart und Iron & Wine. Nach dem fabelhaften "Smart Flesh" (2011) hatten sie keine Lust mehr auf Indiefolk und zogen von ihrer angemieteten Nudelsoßen-Fabrik in ein altes Vaudeville-Theater. 2016 erschien dann "Eyeland", eine als Konzeptalbum getarnte Freischwimmer-Kollektion von Klangexperimenten, die anschließende Tour dauerte wegen eines Autounfalls ganze vier Konzerte. Pech, aber vielleicht auch gut so, denn am Ende der Genesung steht wieder ein stringentes Album. Während Kreativpartner Jeff Prystowsky also mit Gehirnerschütterung flachlag, bearbeitete Miller unter seiner kreativen Taucherglocke eine indische Fabel: Eine kleine Salzfigur löst sich willentlich im ihr fremden Meer auf, weil ihr klar wird, dass man Unbekanntes nur gänzlich erfahren kann, wenn man selbst Teil davon wird. Manchmal greift Miller in diesem leisen, verwunschenen Songzyklus auf seine Wurzeln zurück, meist gibt sanfte Electronica den Takt vor. Heißt: Liebgewonnene Kracher der Marke "Boeing 737" oder "The Horizon Is A Beltway" sucht man vergebens, statt dem Mahlstrom grüßt im Vorbeigleiten ein freundlicher Dugong. Das hätte hier und da gern ausformuliert werden können – das Leitmotiv in "Bone Of Sail, Bone Of Bird" etwa verschwindet viel zu schnell –, dafür zeigt Miller auf diesem Quasi-Soloalbum aber glücklicherweise, dass er immer noch Songs schreiben kann.

Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 9.0/12

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