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At The Gates - To Drink From The Night Itself

To Drink From The Night Itself

Vier-Ohren-Test

Kaum eine Band verkörpert Melodic Death Metal so wie At The Gates. Nun überführt sie ihn weiter ins Jetzt. Auf ihrer Comeback-Platte "At War With Reality" (2014) hielten sich die Schweden immer wieder an den Schablonen des Vorgängers und Genre-Meilensteins "Slaughter Of The Soul" (1995) fest. Gleichzeitig deutete sich schon an, dass At The Gates ihren rasend melodischen Sound mit anderen Metal-Entwürfen ergänzen wollten. Genau das passiert auf "To Drink From The Night Itself": Nach dem Ausstieg des langjährigen Gitarristen Anders Björler wagen At The Gates mehr Mid-Tempo und rhythmische Variation, viele Melodien tanzen auf dem schmalen Grat zwischen Harmonie und Dissonanz, die Platte klingt heterogener und widerspenstiger – dass sich Sänger Tomas „Tompa“ Lindberg inhaltlich vom deutsch-schwedischen Antifaschisten Peter Weiss und seinem Roman "Die Ästhetik des Widerstands" inspirieren ließ, spiegelt sich nicht nur im Intro "Der Widerstand", sondern auch musikalisch wider. Wer sich darauf einlässt, wird belohnt: Abseits furios stürmender Trademark-Songs wie dem Titeltrack oder "Seas Of Starvation" schreiten At The Gates zum Ende vieler Songs feierlich dahin – eine tosende, düstere Erhabenheit voller Gitarren-Tremolo und dunkler Abgründe lässt viele Tracks wie bei Tribulation glimmen statt feurig züngeln. Mächtiger Melodic Death Metal bleibt das überall, aber eben wie sehniges Fleisch durchzogen von NWOBHM-Leads, Hardcore-Anklängen und Gothic-Pianos. So gegenwärtig klang die Band zuletzt 1995.

Dennis Drögemüller 9/12

Ihr eigentlich interessantes Konzept verwässern At The Gates mit dem Abspulen sich ewig wiederholender Riffs. Die Death-Metal-Veteranen haben sich von Peter Weiss’ Buch "Die Ästhetik des Widerstands" inspirieren lassen, und erforschen auf "To Drink From The Night Itself" anhand europäischer Rebellionen gegen die Nazis im Zweiten Weltkrieg den Einfluss von Kunst auf den Kampf gegen Unterdrückung. Was At The Gates an kreativer Energie in die vielversprechende Thematik stecken, schafft es offenbar nicht in gleichem Maße in ihre Musik: Die neuen Songs prägt die ewige Wiederholung musikalischer Phrasen, einzelne Stücke bestehen aus kaum mehr als drei verschiedenen Riffs jeweils für Strophe, Refrain und Bridge, die nicht nennenswert variiert werden. Aus einer überschaubaren Anzahl an Versatzstücken bauen sie zwölf Songs, die sich bis auf das als Kammermusik-Komposition ausklingende Schlussstück "The Mirror Black" viel zu ähnlich sind. Natürlich passt der finstere und kalte Ton, der sich durch das Album zieht und zwangsweise zu einem zusammenhängenden Sound führt, zum reizvollen Konzept. Doch würden At The Gates zumindest häufiger die Tonart wechseln oder mit etwas weniger voraussehbaren Wendungen innerhalb eines Songs auflauern, dann wäre die teilweise unsägliche Langeweile schon dahin gewesen. Vielleicht soll das aber auch eine Metapher für die oft zermürbende und hoffnungslose Gegenwehr gegen Unterdrückung sein – oder sind den Schweden nach dem starken Comeback At War With Reality (2014) die Ideen ausgegangen?

Gerrit Köppl 5/12

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