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0 Autor: Christina Wenig

Coilguns - Millennials

Millennials

Ein neues Album, das eigentlich keines ist: "Millenials" wurde bereits Anfang 2016 aufgenommen. Nach so langer Wartezeit sind die Erwartungen hoch, werden aber nur teilweise erfüllt.

Dabei gibt es hier viel zu mögen: Coilguns (mit Mitgliedern von Closet Disco Queen und Autisti) packen ihre Hörer am Kragen, schütteln und ohrfeigen sie – und man lässt sich das gern gefallen. Der düster-verschrobene, exzentrische Hardcore und Noiserock der Schweizer, die früher im Post-Metal-Bandkollektiv The Ocean aktiv waren, ist nämlich gleichermaßen abstoßend und anziehend. Da aalt sich der Opener "Anchorite" im doomigen Morast, da setzt Ménières mit wildem Math-Riffing zur Treibjagd an, und über die komplette Albumlänge bleibt es spannend zu hören, wohin die verstörende Reise als nächstes führt. Der Bandtradition folgend wurde das Album live eingespielt und analog auf alten Tapes und komplett ohne Computer aufgenommen. Der Sound ist also schön organisch und rau, ohne den LoFi-Bogen zu überspannen. Jedoch ist "Millenials" weniger fies und räudig als sein 2013er Vorgänger "Commuters", der Wahnsinn wirkt zunehmend konstruiert. Ist das dieses Erwachsenwerden, von dem immer alle sprechen? Dabei ist es nicht nur schade, sondern mitunter eine Geduldsprobe, wenn der Vierer, der das Album noch als Trio aufnahm, sich inmitten seiner rastlos-getriebenen Sound-Exzesse in langwierigen Nichtigkeiten ("Spectrogram", "The Screening") verliert, die den kompletten Druck rausnehmen. Am stärksten sind Coilguns doch, wenn sie wie im Titelsong komplett an die Decke gehen oder wie in "Self Employment Scheme" unerbittlich repetitive Motive ins Bewusstsein der Welt hämmern.

Bewertung: 8/12

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