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0 Autor: Sebastian Berlich

Black Moth - Anatomical Venus

Anatomical Venus

Was tun angesichts des Sexismus, den Rock auch 2018 noch nicht überwunden hat? Black Moth gehen auf ihrem dritten Album mit angespitztem Heavy Metal dagegen in die Offensive.

Wichtig ist das nicht zuletzt, weil der Stachel gerade in den rückwärtsgewandten Spielarten tief sitzt. Frauen sind als Bandmitglieder zwar kein Tabu mehr, in Songtexten sowie Rezensionen werden sie aber immer wieder fetischisiert und als Fremdkörper ausgestellt. Zugrunde liegt der Trugschluss, nostalgisch gefärbte Musik müsse stets auch mittlerweile überkommene Werte des Genres konservieren. Black Moth brechen auf "Anatomical Venus" erstmals entschieden und flächendeckend mit dieser Vorstellung. Inspiriert von einer gleichnamigen Wachsskulptur aus dem 18. Jahrhundert, die eine tote, sexualisierte Frau darstellt und als Anschauungsobjekt für männliche Forscher fungierte, richtet sich Sängerin Harriet Hyde gegen den kulturgeschichtlich verankerten „male gaze“, den auch die Gegenkultur Rock nicht ablegen konnte. Passend dazu verfeinert das Quintett seinen massiv Doom-beeinflussten Heavy Metal zu heftigen, an den Charakteristika des Stoner Rock orientierten Stücken, angereichert mit Zitaten aus Alternative Rock ("Tourmaline") und klassischem Metal der 80er ("Screen Queen").Verantwortlich ist dafür nicht zuletzt Neuzugang Federica Gialanze, deren in einer Black-Sabbath-Coverband erworbene Gitarren-Expertise vor allem im schleppenden "Severed Grace" zum Tragen kommt. Den eindringlichen Höhepunkt des Albums bietet jedoch der lärmende Abschluss "Pig Man", in dem Hyde sich in einen manischen Rant steigert, bevor die sonst so elaborierte Musik in unkontrolliertem Krach absäuft.

Bewertung: 9/12

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