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0 Autor: Markus Hockenbrink

Marika Hackman - I'm Not Your Man

I'm Not Your Man

Auf ihrem zweiten Album vollzieht Marika Hackman ihre Häutung von der eleganten Mitternachtsmuse aus der Folktradition zu einem Jetztzeitwesen, das es faustdick hinter den Ohren hat.

„I’m a lousy lover/ Even if I try/ I could go for a couple of weeks/ Until the feelings calcify“, heißt es kurz nach dem Hereinkommen, und Hackman trifft genau den richtigen Ton zwischen Trauer, Stolz, sadistischem Spaß und Scheißegal-Haltung, die man in dieser Mixtur bisher noch gar nicht kannte. Überhaupt setzt die ganze Platte Erfahrung mit doppelten Böden voraus, denn die neuen Texte sind auf Krawall gebürstet. Statt beschaulicher Beschreibungen von Seenlandschaften bei Nacht wie noch auf dem ebenfalls Aufsehen erregenden "We Slept At Last" gibt es jetzt zwischenmenschliche Naturschauspiele. Gleich der Opener "Boyfriend" ist die ironischste Hymne an Mädchensex seit "I Kissed A Girl" (von Jill Sobule, nicht von Katy Perry), in "Violet" wird das ganze noch ein bisschen impliziter. Es gibt Menschen, die es nicht leiden können, wenn Sängerinnen und Sänger bei der Anamnese ihres Gefühlshaushalts allzu viel Abgebrühtheit an den Tag legen, weil sie das mit Arroganz verwechseln. Doch davon kann auf "I'm Not Your Man" keine Rede sein, zumal Hackman sich im Verlauf des Albums immer weiter entblättert, ohne theatralisch zu werden. Sie wird sogar eher noch diesseitiger, was auch an ihrer Backing Band liegen könnte. Dabei handelt es sich um die vier Frauen von The Big Moon, die im Frühjahr selber erst mit ihrem Powerpop-Debüt "Love In The 4th Dimension" auftrumpfen konnten. Und wenn man von deren kurzweiligen Konzerten ausgeht, könnte Marika Hackman live einen ähnlich kumpeligen Eindruck hinterlassen.

Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 8.0/12

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