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0 Autor: Martin Burger

Amenra - Mass VI

Mass VI

Schwärze, Geschrei, Depressionen. Finsternis, Langsamkeit, Schatten. Soweit die Klischees. Was wartet jenseits der vertonten Elefantenfriedhöfe?

Belgien! Ein souveräner Staat, oft übersehen, mit anderen Ländern verwechselt oder gleichgesetzt, und doch in seiner popkulturellen Vielfalt einflussreicher als so mancher Anrainer. Neben den offensichtlichen Leistungen im Bereich der Comics stechen vor allem Bands aus dem VISIONS-Kosmos hervor: Deus, Oathbreaker, Brutus, Millionaire, um nur einige zu nennen. Und eben Amenra, die ihrerseits immer wieder gerne einräumen, ohne die Musik ihrer Labelchefs Neurosis nicht zu existieren, allerdings seit jeher eine immense Inspiration sind für The Black Heart Rebellion oder Telepathy, deren "Tempest" erst im März eindrucksvoll durch die Ohren wütete. Auf Songs, wie man sie kennt, pfeift das Kollektiv weiterhin konsequent, ihr fünftes Album ("Mass II" ist eine EP) ist ein Wechselspiel aus Monologen in der Schockstarre und verzerrten Zirkulationen von Symbolen. Colin van Eeckhout hält seine Singstimme nicht mehr so oft wie früher hinter rostigen Gitterstäben gefangen, was zu der bittersüßen Erkenntnis führt, dass Noten des Leidens in klaren Resonanzkörpern oft länger nachhallen: "Spijt" (Bedauern) hinterlässt trotz seiner Dauer von knapp zwei Minuten einen nachhaltigeren Eindruck als die vier Longtracks auf "Mass VI", dabei tun die nach einer halben Dekade ohne Album besonders gut. Sofern man bei Amenra von akustischen Wohltaten sprechen kann. Im Avantgarde-Exil kann ihr Anspruch auf Regentschaft entweder nur ungehört verhallen – oder von treuen Untertanen im Geheimen aufrechterhalten werden. Beugt eure Knie.

Bewertung: 9/12

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