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0 Autor: Juliane Kehr

This Is The Kit - Moonshine Freeze

Moonshine Freeze
  • VÖ: 07.07.2017
  • Label: Rough Trade/Beggars/Indigo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 292

This-Is-The-Kit-Sängerin Kate Stables verfügt über eine dieser betörenden Stimmen, denen man blind in ein verheißungsvolles Wunderland folgt, ohne zu schauen, wohin man tritt.

Das vierte Album der aus Bristol stammenden Wahl-Pariserin führt dabei direkt in ein Minenfeld messerscharfer Texte. Schon der Opener reißt die erste Wunde: „Bullet proof they never loved you/ you let to many bullets through“, singt Stables zart und klar, mit kühler Präzision zu hölzernem Schlagzeug und gezupfter Ukulele. Nur eine Textzeile also, wenige Sekunden in der ersten Minute des 42 Minuten langen Albums und doch Stoff zum Nachdenken für mehrere Tage. Der besondere Zauber von Stablesʼ Textarbeit offenbart sich im Titelsong "Moonshine Freeze": Wie kleine Rätselboxen enthalten ihre Texte Geheimkammern und Verschachtelungen, die erst nach und nach erschlossen werden können. Ausgeschmückte Melodiebögen und überraschende Textergänzungen schon vollständig geglaubter Aussagen verstärken diesen Effekt. Jeder Synthesizer-, Gitarren- und Pianoeinsatz umschmeichelt dabei den Gesang und entfaltet an genau der richtigen Stelle seine klangliche Magie. Verantwortlich dafür ist The-National-Gitarrist Aaron Dessner, der auf sechs Songs des Albums zu hören ist. Besonders lange, dunkle Text-Schatten wirft die Akustik-Ballade "Show Me So", die zu melancholischer Perfektion aufblüht und damit gleichzeitig die Schwäche von "Moonshine Freeze" aufzeigt: Die in vielen anderen Songs eingesetzten Bläser hätte es in diesem Umfang gar nicht gebraucht. Sie wirken zu oft wie künstliche Stimmungsmacher. Hier hätte Stables den Hörern zutrauen können, den Weg aus dem Minenfeld allein zu finden.

Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 10.0/12

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