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The War On Drugs - A Deeper Understanding

A Deeper Understanding
  • VÖ: 25.08.2017
  • Label: Atlantic/Warner
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 293 - Schönheit der Ausgabe

Alles im Fluss: The War On Drugs bleiben die sichere Bank für träumerisch dahingleitende Heartland-Rock-Fantasien mit 80er-Finish, klingen aber wenier sediert als zuletzt.

Nicht, dass an "Lost In The Dream" (2014) irgendetwas auszusetzen gewesen wäre: Adam Granduciels watteweiche Indierock-Meditationen über die US-Volksmusiktraditionen umfingen einen warm und mit dem nötigen Vorwärtsdrang, Folk-Einflüsse gingen im Schönklang auf. "A Deeper Understanding" verhält sich dazu, wie sein Name es suggeriert: Das Bekannte wird vertieft. Noch immer überziehen The War On Drugs ihren nostalgischen Indierock auf Country- und Heartland-Rock-Basis so mit 80er-Schmelz, dass einem die Stücke vorkommen, als seien sie schon gegen Ende des Kalten Krieges im Radio gelaufen. Noch immer klingt im Soundkosmos der Band vieles wie durch eine Milchglasscheibe weichgezeichnet und mit Phil-Collins-Mindset produziert. Und noch immer sind in Granduciels persönlichem Mount Rushmore die gleichen vier Köpfe eingemeißelt: Bob Dylan, Bruce Springsteen, Tom Petty und Mark Knopfler halten ihre stiftende Hand auch über "A Deeper Understanding" – wobei die ersten drei vor allem Gesang und Fundament inspirieren, während Knopflers Dire Straits noch mehr als bisher die akustische Blaupause in Sachen Synthie-Flächen, Hall und Pop-Epos liefern. Am deutlichsten wird das in "Nothing To Find", das einen Hauch "Walk Of Life" mitbringt, und dessen weiche Welle nur an der Springsteen-Mundharmonika bricht. Ansonsten fällt an "A Deeper Understanding" vor allem auf, dass Granduciel & Co. – der War-On-Drugs-Kopf spricht von einem Bandalbum, was man aber nur begrenzt hört – mehr Wert auf Dynamik gelegt haben: Wo auf "Lost In The Dream" meist das gleiche, endlose 4/4-Country-Schlagzeug den Weg bis zum Horizont vorgab und den Hörer schnell in eine Trance schaukelte, variiert die neue Platte mehr. "Strangest Thing" und das episch lange "Thinking Of A Place" setzen auf langsamere, akzentuierte Beats, "Clean Living" öffnet mit Klavierakkorden zum kaum hörbaren Bassdrum-Puls. Gleich der Opener fährt zudem von pappigem E-Schlagzeug über synthetische Streicher und zappelige Computer-Drums bis zu Sternen-Keyboards und quietschender Sologitarre instrumental mächtig auf – mehr The War On Drugs war selten. Am schönsten klingt die Band aber weiterhin in den flüssigen Hits: Wenn Granduciel in "Holding On" oder "In Chains" zu eingeseifter Rockgitarre, Sehnsuchtssynthies, Glockenspiel und Slide Guitar euphorisch nach oben aus der Melancholie ausbricht, ist "A Deeper Understanding" das "Brothers In Arms", das Springsteen und Dylan nie zusammen aufgenommen haben.

Leserbewertung: 11.0/12

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