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0 Autor: Martin Burger

Waxahatchee - Out In The Storm

Out In The Storm

Von den Wurzeln ihres Soloprojekts hat sich Katie Crutchfield weit entfernt. Aber wozu braucht man die, wenn der Baum auch so in voller Blüte steht?

So entblößt wie auf dem Debüt "American Weekend" und so minimalistisch rockend wie auf "Cerulean Salt" werden wir Waxahatchee wohl nicht mehr erleben. Produzent John Agnello, bekannt für seine Arbeiten mit den Indie-Helden Dinosaur Jr., hat Crutchfield für ihr viertes Album mit einer ganzen Band ins Studio gestellt und die Songs live einspielen lassen. Das klappt hervorragend: Von den eingestreuten Harmoniegesängen mit Zwillingsschwester Allison kann man nicht genug bekommen. Eine besondere Erwähnung verdient auch Katie Harkin, Tourgitarristin von Sleater-Kinney und sonst Frontfrau ihrer eigenen Band Sky Larkin, mit der sie bisher drei Alben voll kleiner Indie-Hymnen veröffentlicht hat. Der ganzen Girlpower zum Trotz ist "Out In The Storm" aber natürlich wieder eine Katie-Crutchfield-Soloshow geworden, das beweisen schon die eigentümlichen Texte. Ein Rechthaber sei er, ruft sie dem Verflossenen in "Never Been Wrong" hinterher, und einen egoistischen Künstlertypen hat sie in "Brass Beam" abgeschafft, sein verletztes Benehmen tut sie als „narcissistic injury disguised as masterpiece“ ab. Ärgerlich ist das vor allem für sie selbst, da sie die Objekte ihrer Begierde zu Anfang als große Fische ansah, wie sie zähneknirschend konstatieren muss. Für derlei (Selbst)Erkenntnisse im alltäglichen Beziehungswahnsinn sind Waxahatchee-Platten immer gut gewesen. Die Intensität eines "You're Damaged" erreicht sie mit dem Abschluss "Fade" zwar nicht, insgesamt ist ihr aber der charmanteste Mittelfinger des Jahres gelungen.

Bewertung: 9/12

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