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0 Autor: Christian Wiensgol

Millionaire - Sciencing

Sciencing

Selbst wenn niemand darauf gewartet haben dürfte, ist das dritte Album von Millionaire mit seinem fiebrigen Groove ein Comeback der besseren Art.

Selbst für Strippenzieher Tim Vanhamel lag das Augenmerk in den letzten zehn Jahren woanders. 2008 stellte er noch ein neues Album in Aussicht, danach wurde es still. Schließlich sind Millionaire nur eins von vielen Projekten des aktiven Belgiers, wenngleich das nachhaltigste. Der schief getaktete Stoner-Riff-Brocken "Champagne" etwa hat bis heute nichts von seinem Sog eingebüßt. Das dazugehörige Album "Outside The Simiam Flock" und der von Josh Homme produzierte Nachfolger "Paradisiac" waren nicht perfekt, sondern zeigten unverhohlen, was für ein talentierter Kerl der zwischenzeitliche Gitarrist von Deus ist. Der Neustart versucht nun gar nicht erst, an alte Zeiten anzuknöpfen. Mit "Sciencing" erforscht Vanhamel neue Wege und denkt Millionaire an den Stellen weiter, die schon damals ins Elektronisch-Groovende abdrifteten. Das Ergebnis ist nur noch selten klassischer Rock, geschweige denn Stoner. Es ist homogener, tanzbarer und zugänglicher als seine Vorgänger, dabei aber nicht weniger verrückt. Die rhythmusbetonten Songs entfalten sich wie in Trance, gelegentliche hyperaktive Ausreißer wie das an Modest Mouse erinnernde "Love Has Eyes" lassen "Sciencing" nur umso mehr wie einen Drogentrip voller Höhen und Tiefen wirken. Die Anleitung dazu gibt das Video zur funky Single "I’m Not Who You Think You Are": Nach der Einnahme einer milchigen Flüssigkeit muss man sich lediglich ein Loch in die Stirn bohren und schon projiziert das zum Beamer umfunktionierte Gehirn Vanhamel als blauhäutigen, sechsäugigen Schamanen an die Wand.

Bewertung: 9/12

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