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0 Autor: Frederik Tebbe

Black Lips - Satan's Grafitti Or God's Art?

Satan's Grafitti Or God's Art?

Völlig gleich, ob hier Gott oder der Teufel ihre Finger im Spiel haben: Black Lips krakelen sich auf ihrem achten Album in die Ungenießbarkeit.

Klar, Garagen-Rock steht aus Prinzip nicht für Hochglanzproduktionen. Da darf es gerne scheppern und rumpeln, Sounds müssen ein wenig windschief hängen, Lo-fi wird im Reglement fett gedruckt. Und manchmal kann man auch den größten Krach als Kunst durchwinken, wenn man hinter die Fassade blickt. Doch dann kommen Black Lips und veröffentlichen das Interlude: Got Me All Alone, in dem sie dreieinhalb Minuten zu dissonanten Klängen grölen wie ein Cowboy mit fünf Promille, bis man sich fragt: Warum hat dieses Album 18 Songs, alle Interludes, die Overtüre und das Finale mitgerechnet? Es ist natürlich nicht immer ganz so schlimm, It Wonʼt Be Long etwa geht gut ins Ohr, Crystal Night traut sich zu Beginn sogar Melodieverständnis zu. Black Lips sind Musiker, sie beherrschen ihr Handwerk, dekonstruieren es aber viel lieber, wenn sie ihre Stimmen beispielsweise verzerren oder pitchen, bis alles nur noch albern klingt. Da ist es dann wieder, das alte Kulturdilemma, ob das Kunst ist oder weg kann, und gewissermaßen stellen Black Lips sich diese Frage selbst im Albumtitel. Das sorgt beim Hörer für ein schlechtes Gewissen und hat unangenehmes Sich-Selbst-Hinterfragen zur Folge: Bin ich klug genug für all das oder habe ich einfach etwas nicht mitbekommen? Wenn man dann aber feststellt, dass jenseits aller Dissonanzen, des netten Country-Vibes und des Kater-Charmes der Platte nichts Aufregendes in den letzten 55 Minuten auf nüchternen Magen passiert ist, ist die Antwort darauf vollkommen egal.

Bewertung: 3/12

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