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0 Autor: Florian Zandt

Cloud Nothings - Life Without Sound

Life Without Sound
  • VÖ: 27.01.2017
  • Label: Wichita/Carpark
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 287 - Schönheit der Ausgabe

Wenn Dylan Baldi auf die Tränendrüse drückt und den Fuzz aufdreht, horchen Indie-Kids, Powerpopper, Jeansjackenpunks und Noise-Querköpfe gleichermaßen auf. Das vierte Album seiner Band spielt vor allem den ersten beiden Fangruppen in die Karten.

Dass sich Baldi allerdings auch textlich mal von einer etwas sonnigeren Seite zeigte, bleibt bei genauerem Hinhören ein frommer Wunsch. Bereits die herrlich treibende, mit bittersüßen, angezerrt nölenden Gitarren gespickte Vorabsingle "Modern Act" beweist zwar, dass Cloud Nothings die stetige Entwicklung vom quietschenden LoFi-Krach zu groß aufgespannten Melodiebögen mit Bravour weiterspinnen. Das mag auch an der Verpflichtung von Gitarrist Chris Brown liegen, der die Band schon seit längerem auf Tour unterstützt und jetzt Baldis Haken schlagender Grummelgitarre eine zweite Stimme zur Seite stellt. Wenn der schluffige Frontschlaks sich aber im Refrain atemlose Textzeilen wie "I want a life, that's all I need lately/ I am alive but all alone" aus dem Rachen presst, wird dem Hörer wieder klar, dass Cloud Nothings nicht unbedingt als Soundtrack für die unbeschwerte Autobahnfahrt in den Sonnenuntergang funktionieren. Der hemdsärmelige, fuzzige Indierock der Band ist auf ihrem vierten Album eher im heiligen Herbsttriumvirat zwischen Kuscheldecke, Couch und heißer Schokolade angesiedelt. Das trifft vor allem deshalb zu, weil Baldi nicht mehr so leidenschaftlich hasst, und die Band die Noise-Versatzstücke größtenteils aus ihrem Sound verbannt hat. Ausnahmen wie das ruppig nach vorne polternde "Darkened Rings", auf dem Baldi zu einer ebenso repetitiven wie eingängigen Gitarrenmelodie Slacker-Attitüde mit Punk-Rotz verknüpft, oder das bitterböse, zäh dahinfließende "Strange Year" bestätigen hier nur die Regel. Die Grundmelancholie pegelt die Band bereits im Opener "Up To The Surface" ein, der die Platte ungewöhnlich zurückgenommen mit einem zarten Piano-Intro einleitet, bevor er sich durch immer stärker verzerrte Gitarren zu einem bandtypischen Midtempo-Stampfer hochschaukelt. Mit so einem schließen Cloud Nothings ihre vierte Platte auch ab, stellen damit aber auch das andere Extrem ihres Sounds zur Schau: Wo "Up To The Surface" konzentriert Melodie auf Melodie schichtet, driftet "Realize My Fate" nach einer gesanglichen Tour de force Baldis in beiläufiges Gitarrengeplucker, Feedback und Nebengeräusche ab und zerfranst zum Schluss völlig. Dazwischen liegt eine Klangwelt, die Cloud Nothings von ihrer wohl reifsten Seite zeigt und beweist, dass ihnen hymnische Refrains und große Melodien besser zu Gesicht stehen als verquerer Krach und LoFi-Attitüde.

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