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Kings Of Leon - Walls

Walls

Die große Ironie am siebten Kings-Of-Leon-Album: Caleb Followill wird seine inneren Dämonen los und schreibt den vielleicht besten Song seiner Karriere – über die Liebe zu Geistern.

"Find Me" heißt das Stück und demonstriert, warum man 13 Jahre nach dem herrlich rumpelnden Garage-meets-Southern-Rock-Debüt der vier Followills nicht tragisch finden muss, dass sie an den Mainstream verloren sind: Hier entfesseln sie ein einziges 80s-Inferno aus sphärischem Keyboard, pumpendem Drumbeat und verschachtelten Gitarren-Arpeggios, das sich hoch und höher schraubt und im Refrain in alle Richtungen explodiert. Packend und pathetisch – besser kann man Stadionrock nicht spielen. Im großen Feuerwerk von "Find Me" geht allerdings leicht unter, wie tief Bandchef Caleb Followill diesmal blicken lässt: Seine Liebeserklärung an den Geist, der ihn verfolgt, gehört noch zu den metaphorischeren Texten auf "Walls" – oft wird er nun unverstellt persönlich, wo er früher mit witzigen Wortspielen und kryptischen Sätzen die Hörer auf Distanz hielt. Die knapp am Post-Punk vorbeischrammende Ballade "Over" thematisiert die Suchtprobleme eines lebensmüden Rockstars, der Funkrocker "Around The World" ist ein Spiegel der turbulenten Karrierejahre, nach denen sich Followill ausgebrannt in die Provinz zurückzog, und "Muchacho", das Salsa-versetzte Farewell an einen Freund der Band, singt er mit buchstäblicher Grabesstimme. Es ist vor allem dieser Kontrast aus dem griffigen Äußeren und introvertierten Inneren, der Walls zum stärksten Kings-Of-Leon-Album seit "Because Of The Times" macht, ihrer ersten Alles-oder-nichts-Platte von 2007. Jetzt haben sie zwei von der Sorte. Welcome back!

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 9.0/12

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