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0 Autor: Martin Burger

Sahg - Memento Mori

Memento Mori

Sturm, Tod, Pestilenz – alle drei kennen keinen Unterschied zwischen Adel und Fußvolk. Das fünfte Album der norwegischen Schwarzseher möchte mit Ingrimm daran erinnern, lässt sich aber zu viel Zeit.

2013 waren Sahg auf "Delusions Of Grandeur" noch Größenwahn und seine Folgen ein Anliegen, diesmal ist es der menschliche Glaube an die Unsterblichkeit, also im Prinzip dasselbe. So wie es in Frank Schätzings populärem Roman "Der Schwarm" Europas Küsten an den Kragen geht, soll auf "Memento Mori" der Rest der Welt von einer turmhohen Welle der Todesbesessenheit geschluckt werden. Klappt nicht auf Anhieb: Die recht generische Leadsingle "Black Unicorn" ist von Miesmacherei weit entfernt. Delay und Reverb alleine schieben eben noch keinen Mond vor die Sonne. Dem gegenüber steht der Akustiktrack "(Praise The) Electric Sun", eine rituell schunkelnde Blues-Fingerübung, die netterweise nicht krampfhaft versucht, alle Menschen in misanthropische Düsterbolde zu verwandeln. Zwischen diesen Fixpunkten kreuzt die fast neu besetzte Band um Olav Iversen gerne die Blätter tuckernder Motorsägen oder arbeitet sich am Hard Rock und Proto-Metal ihrer Vorbilder ab, James-Hetfield-Imitationen inklusive. Interessanter gerät "Memento Mori" erst auf der Zielgeraden, denn für "Blood Of Oceans" kehrt Originaldrummer Einar Selvik kurzzeitig zurück und bringt Doppelbass und Drachenboot-Romantik mit ein – das fällt zwar aus dem mattschwarzen Rahmen, fügt diesem aber ein paar ansehnliche Runen hinzu. Zum Meisterbrief im Mundwinkel-Herunterhängen-Lassen langt es trotzdem nicht, der Goldene Graf Zahl 2016 für besondere Leistungen beim Wiedergeben bekannter Weisen dürfte Sahg aber sicher sein.

Bewertung: 7/12

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