Zur mobilen Seite wechseln
0 Autor: Martin Burger

Josefin Öhrn + The Liberation - Mirage

Mirage

Eine Wüste, flirrende Hitze. Ohne richtigen Ort verliert die Zeit ihre Bedeutung. Mit den letzten Kraftreserven kriecht eine abgewetzte Gestalt über den Dünenkamm. Dann: Ein Bild am Horizont.

Ist das eine Fata Morgana oder real? Und wo kommt dieser körperlose Gesang her? Dazu so ein wunderbar stoischer Bass. Die repetitive Elektronik im Hintergrund tut ihr Übriges im Opener "The State (I’m In)". Das hat definitiv etwas Orientalisches, weiß aber im Gegensatz zu den elektrischen Reitern von Blaak Heat, warum weniger mehr ist. Vielleicht liegt es auch daran, dass ein Song wie "Sister Green Eyes" klingt wie ein Parfum riecht, vom dem man nur wenige Spritzer für einen bleibenden Eindruck benötigt. Josefin Öhrn und ihre Liberation machen auf "Mirage" nicht viel anders als auf dem Debüt "Horse Dance", um sich erneut Fans von psychedelischem Krautrock zu angeln – müssen sie aber auch nicht. Das über siebenminütige Songdoppel "In Madrid/Rainbow Lollipop" wirkt nur halb so lang und eignet sich perfekt für lange Autofahrten. „Je suis ton amie“, heißt es einmal darin, und man weiß: Die Schwedin säuselt die Wahrheit. Die restlichen sechs Songs gestalten sich allesamt ähnlich abwechslungsreich. "Looking For You" beweist in der zweiten Hälfte mit fiependen Synthie-Sounds und Percussion, dass Störgeräusche auch anziehend sein können, und "Circular Moon" zeigt endgültig: Das ist kein Trugbild, sondern eine Oase mit Süßwasser. Der Stream of Conciousness kreist ums ufernahe Lagerfeuer, jeder darf hier mal in Zungen reden oder über sein Trömmelchen streicheln. Von nah und fern gesellen sich immer mehr Neugierige zur Runde – und alle gehen sie ins Netz der Menschenfängerin Josefin Öhrn.

Bewertung: 9/12

Bitte einloggen, wenn du diese Platte bewerten möchtest.

Bitte einloggen, wenn du diese Platte kommentieren möchtest.