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0 Autor: Britta Helm

Oathbreaker - Rheia

Rheia
  • VÖ: 30.09.2016
  • Label: Deathwish
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 283 - Schönheit der Ausgabe

Zuletzt haben Oathbreaker in den Abgrund gestarrt, jetzt navigieren sie zwischen Post Metal, Hardcore, Black Metal und Folk mitten hindurch.

Wer hätte gedacht, dass im Nichts so viel geht? Die Belgier selbst natürlich, die mit dem so perfekt betitelten Being Able To Feel Nothing gleich einen großartigen Beweis dafür liefern. Da explodieren die Gitarren in Superzeitlupe ins Superschwarze, während die Hi-Hats von allen Seiten rasseln und Caro Tanghe mit Hexenstimme durchs Chaos krault. Nach gut drei von sieben Minuten fällt der sich immer mehr verwirrende Antrieb schließlich ganz aus und lässt den Song immer langsamer durchs Nichts treiben, um für eine Sekunde völlig stillzustehen. Dann zieht Tanghe so leise und beharrlich an den letzten paar Saiten, bis alles wieder losbricht. Oathbreaker waren schon immer unfassbar gut in todesmutigen Sturzflügen von ganz oben nach ganz unten und umgekehrt, aber so viel Raum haben selbst sie dabei nie eingenommen. Wo Maelstrom noch verhältnismäßig geradlinig durch Metal, Punk und Hardcore bretterte und Eros | Anteros erste Schleifen in stillere Paralleluniversen zog, nimmt Rheia sie alle mit. Tanghe faucht und haucht und singt vor allem, während die Späne um sie herum in alle Richtungen fliegen. So heavy haben Oathbreaker ihre Metalbässe noch nie am Boden entlanggeschrappt, aber sich dabei auch noch nie so ätzend mit der Schwerkraft gestritten. So ausführlich war Tanghes Stimme noch nie allein zur Akustikgitarre oder zum Schlagzeug zu hören, aber unter so vielen Schichten von Wut hat sie sich auch noch nie hervorgekeift. Rheia lässt noch weniger Zeit zur Orientierung als seine Vorgänger, gerade weil die Platte so unberechenbar von einem Extrem ins andere stürzt. Man kann sich darauf nur einlassen in der Hoffnung, selbst irgendwann noch mal aufzutauchen, auch wenn es keine Garantien gibt. Verlässlich sind Oathbreaker vor allem in der Sorgfalt, mit der sie nach Sink Into Skin I und II auf dem ersten Album und As I Look Into The Abyss und The Abyss Looks Into Me auf dem zweiten nun mit Where I Live und Where I Leave schon wieder ein makelloses Songpaar geschaffen haben, zu dem es diesmal mit dem vier Minuten langen Stimmengewirr von Iʼm Sorry, This Is sogar ein eigenes Intro gibt. Und das Albumcover erst wieder, das noch so viel beeindruckender geworden ist als die ganzen Haare damals und der Maibaum zuletzt. Macht diese Band eigentlich irgendwas verkehrt? Am Schluss ihres vorerst allerbesten Albums saugt Begeerte alle Geister und Monster in sich hinein und verschwindet, als wäre nichts gewesen. Was sowas von stimmt.

Leserbewertung: 8.0/12

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