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0 Autor: Dennis Plauk

Bleached - Welcome The Worms

Welcome The Worms
  • VÖ: 01.04.2016
  • Label: Dead Oceans
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 277 - Schönheit der Ausgabe

Bleached sind die Best-of-both-worlds-Band für Leute, denen Pop-Punk zu gefällig und Riot-Grrrl-Musik zu gefährlich ist.

Das hat sich bereits vor zwei Jahren auf ihrem Debüt "Ride Your Heart" angedeutet. Damals wirkte das All-Girl-Trio aus Los Angeles aber oft noch unentschlossen: Sobald sich ein Song zu harmonisch gab, suhlte sich der nächste schnell in der Jauchegrube, und umgekehrt – fast als würden sich Bleached mit ihrem Yin-und-Yang-Sound verantwortlich fühlen für beide Hörerlager an den entgegengesetzten Enden des Punk-Universums. Wahrscheinlicher ist, dass Bleached an der Schwelle vom Underground-Act zu einer der angesagteren Rockbands Indie-Kaliforniens selbst noch nicht genau wussten, wohin sie mit sich sollten. Insofern ist der Trick hinter ihrem zweiten Album "Welcome The Worms" raffiniert: 2016 bringen Bleached Punk-Kante und Popappeal in jedem Song zu etwa gleichen Teilen unter – woraus sich in Summe eine so schmissige wie angriffslustige Platte ergibt, die trotzdem wie aus einem Guss wirkt. Mit griffigen Gesangsmelodien und den immer wieder effektvoll eingestreuten Backing-Chören stehen Bleached dabei – ironisch oder nicht – in der Tradition der Gegend, aus der sie stammen: Die mitunter brillanten Vocal-Arrangements, die in Stücken wie "Sleepwalking" oder "Keep On Keepin’ On" zum Tragen kommen, stellt man sich am besten vor wie 60s-Doo-Wop in der 50 Jahre jüngeren Garagenvariante. Ähnlich wie einst Bad Religion haben Bleached auf dieser Ebene ein Markenzeichen gefunden, reizen es auf Albumlänge aber nicht aus. Das trägt zur Kurzweil von "Welcome The Worms" ebenso bei wie die subtilen Sound-Variationen, die sich Bleached leisten: In "I’m All Over The Place" klingt düsterer Postpunk an, "Wednesday Night Melody" fährt einen waschechten "We Will Rock You"-Beat auf, und in "Desolate Town" feiern Fuzz-Gitarre und staubtrockener Bass eine kleine Grunge-Party, die nahelegt, dass Bleached ihren Namen vom Nirvana-Debüt abgeleitet haben. Überhaupt kommt das kreative Zentrum von Bleached – die Schwestern Jennifer und Jessica Clavin, die im Studio von Micayla Grace und live außerdem von Nick Pillot unterstützt werden – in der zweiten Hälfe der Platte mehr aus sich heraus. Mit Zeilen wie „Catch a ride with an unknown guy/ Smoking dabs, getting high“ heißen Bleached den Hedonismus willkommen, lassen am Anfang von "Sour Candy" Bong und Motorenzylinder um die Wette blubbern und landen am Ende von "Chemical Air" um ein Haar in der Indie-Disco. "Hollywood, We Did It All Wrong" heißt dann der letzte Song, aber sich selbst können die LA-Girls kaum meinen – sie machen hier fast alles richtig.

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