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0 Autor: Britta Helm

Muncie Girls - From Caplan to Belsize

From Caplan to Belsize
  • VÖ: 04.03.2016
  • Label: Uncle M/Cargo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 276 - Schönheit der Ausgabe

Sonne, Plath und gute Laune. Muncie Girls aus England feiern einen Road Trip durch den Feminismus.

Dass sich persönlicher Beef mit dem Patriarchat und oberschmissiger Indiepunk nicht ausschließen, wissen in Rvivr, Hop Along, Personal Best, Candy Hearts oder Mixtapes Verknallte schon längst, aber noch ist im Kassettenwechsler jede Menge Platz für mehr. Auf ihrem ersten Album, das natürlich nach der Klinik in Sylvia Plaths autobiografischem Coming-Of-Age-Roman "Die Glasglocke" benannt ist, erzählen Muncie Girls selbst die allerbesten Geschichten vom Erwachsenwerden, vom Erwachsensein und von allem, was dazu noch fehlt, ohne sich dabei das kleinste Stück verunsichern zu lassen. So mühelos hat noch absolut niemand betrunkenen Trotz ("You can find me under the table, I'm not coming out/ I've had too many beers and I've got nothing to be happy about"), Erinnerungen an alte Kämpferinnen ("We still have a debt that we need to repay to the suffragettes who've paved our way") und familiäre Huldigungen ("To my brother, you taught me guitar/ You know I'd start a band with you if you didn't live so far") in schwungvolle Reime und unwiderstehlichen Pop-Punk gesteckt, der seine Botschaften weder verwässert noch an irgendwen verschwendet: "I donʼt wanna talk about it anymore than you do/ In fact, I wanna talk about it less when it's with you." Man kann jede einzelne Zeile auf "From Caplan To Belsize" auf Federmäppchen kritzeln oder in die Rückseiten von Bussitzen ritzen, aber natürlich hat Frontfrau Lande Hekt sie bei aller Liebe zu Literatur und Geschichte vor allem geschrieben, um sie mit dem breitestem Grinsen, dem tollsten Akzent des Jahres und den Haaren im Wind aus dem Beifahrerfenster zu singen. Wer bei der Autometapher bleiben will, stellt sich dazu eine Rückbank voll mit Teenie-Mädchen vor, denen Hekt zwischen eigenen Auftritten ihre Gitarren- und Mutigkeitsskills vermittelt, während die weißen Hetero-Jungs ausnahmsweise hinterherlaufen dürfen; ohne Straße sieht es vor der Bühne mit ein bisschen Glück ungefähr so aus, als hätten Tavi Gevinson, Kate Nash und Lauren Mayberry sich zum Geburtstag von Esther Greenwood gegenseitig mit Wasserpistolen beschenkt. Wer das nicht versteht, darf es ruhig nachlesen, weil die Ohrwürmer von Muncie Girls eben niemanden ausschließen, sondern nur die abholen, die sonst an den Rand gequetscht werden. Deshalb an dieser Stelle auch noch ein Vorschlag für alle noch so netten Typen, die sich jetzt schon darauf freuen, bei den nächsten Konzerten der Band das großartigste Pet Cemetary-Cover aller Zeiten mitzugrölen: Macht das doch zur Abwechslung mal aus einer der hinteren Reihen.

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