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1 Autor: Christian Wiensgol

Wintersleep - The Great Detachment

The Great Detachment

Mit "The Great Detachment" reichen Wintersleep tatsächlich noch mal an ihr Referenzwerk heran – trotz 80s-Pop-Einschlag.

Der war in Form düsterer New-Wave-Ästhetik schon immer Bestandteil der schwer greifbaren Musik der drei bis fünf Kanadier. Auf ihrem sechsten Album gehen sie hier und da einen Schritt weiter, im Falle von "Lifting Cure" gar einen Tanzschritt. Sind das die Bee Gees? Und seit wann singen die über das Zeitalter des Zerfalls? Keine Angst: Falsett, Vocoder und Keyboards sind bei Wintersleep in guten Händen und dank einer satten Live-Produktion nur augenzwinkernde Nuancen eines enorm vielschichtigen Albums. Atmosphärische Dichte, schwankende Stimmungen, vertrackte Dynamik, entrückter Gesang, angeknackste Schönheit – mit all ihren großen und größeren Momenten ist Wintersleep nach zwei guten, aber eben nicht perfekten Alben doch noch eine Platte auf Augenhöhe mit "Welcome The Night Sky" gelungen. Dabei fehlt zunächst die Melancholie. Nach der warmen Härte von "Amerika", dem flirrenden Enthusiasmus von "Santa Fe" und dem feierlichen Untergang in besagtem "Lifting Cure", nehmen Wintersleep sich viel Zeit und Schwermut, um die anfängliche Euphorie zu relativieren. "Shadowless" kratzt seinem Titel entsprechend ganz tief am Boden und zu Metropolis könnten Särge geschultert werden. Wenn Paul Murphy dann in "Spirit" seine Gedanken über Leben und Tod per tanzwütigem Indierock abschüttelt und scheinbar nebenbei „Are you gonna be alright?“ fragt, weiß man längst nicht mehr, wo oben und unten ist. Seinem Cover entsprechend lässt "The Great Detachment" seine Hörer nicht nur versinken, sondern verdreht ihnen auch den Kopf.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 12.0/12

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Kommentare (1)

Avatar von thunesier thunesier 29.02.2016 | 12:55

Auf Platz 23 im Soundcheck abgeschmiert und anstelle von Yndi Halda oder Muncie Girls nun "Platte der Woche"?

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