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0 Autor: Jens Mayer

Letlive - If I'm The Devil...

If I'm The Devil...

Huch, was ist denn hier los? Letlive geben dem Screamo seine Würde zurück, verpassen Post-Hardcore Soul und Groove und versalzen süß schmeckende Emo-Pop-Hymnen mit bitteren Kommentaren zur politischen Lage der Nation.

Es ist sicher nicht so, dass man es dieser Band aus Los Angeles nach "Fake History" und "The Blackest Beautiful" nicht zugetraut hätte, ein weiteres großartiges Album aufzunehmen, aber was sie mit "If I’m The Devil…" geschaffen haben, war so nicht zu erwarten. Vor zehn Jahren haben Brand New mit "The Devil And God Are Raging Inside Me" so etwas wie den Abgesang auf eine halbe Dekade geliefert, die einige Klassiker jenes Genres hervorgebracht hat, das man, zunächst noch ohne rot zu werden, Emo(-core) nannte und später schon halb beschämt als Screamo brandmarkte. Damit war alles gesagt, es kam nichts Neues mehr hinzu, dafür viel zu viel unfassbar Peinliches. Aber was machen Jason Butler und seine Band 2016? Sie vergessen all das, nehmen ihre musikalischen Vorlieben ernst und vor dem Hintergrund der anhaltenden wie beschämenden Polizeigewalt gegen Afroamerikaner in den USA ein Album auf, das eben kein Wutbrocken ist. Es entlädt seine Intensität in melodisch-hymnischen Refrains und reichert die mit großen Chören, dramatischen Streicherarrangements, mitreißenden Dance-Grooves und seltsamen Soundspielereien an, als sei das das Selbstverständlichste der Welt. Wen das zu nöligen Vergleichen mit Linkin Park greifen lässt – bei "Who You Are Not" zum Beispiel –, hat einfach nichts verstanden. "If I’m The Devil" ist ein dionysisches Fanal gegen beliebigen Konsensrock und erinnert daran, wofür das E-Wort mit den drei Buchstaben eigentlich steht.

Bewertung: 10/12

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