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Julien Baker - Sprained Ankle

Sprained Ankle
  • VÖ: 17.03.2017
  • Label: Matador/Beggars/Indigo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 289

Eineinhalb Jahre verspätet erscheint Julien Bakers Grundfesten erschütterndes, bestürzend-schönes Singer/Songwriter-Meisterwerk auch bei uns.

Auf der Bühne wirkt die schmale, kleingewachsene 21-Jährige zwischen Songs linkisch und verhuscht, auf schüchterne Art macht sie kluge Scherze, als sei ihr die Aufmerksamkeit nicht geheuer. Setzt sie dann zum Singen an, ist da plötzlich jene einzigartige Strahlkraft, die nur Songwriter erreichen, die nichts zurückhalten. Diese Aura zeichnet auch die neun minimalistischen Songs ihres Solodebüts aus, das fast zufällig aus ungenutzter Studiozeit ihrer Band entstand: Auf "Sprained Ankle" erwachsen aus spärlichem Telecaster-Fingerpicking und dem sensibel-souligen Gesang, dem man Bakers Memphis-Herkunft anhört, tieftraurige, wunderschön beiläufige Songdramen. So intim und verletzlich klingen die, dass man als Hörer Sorge hat, Song und Künstlerin könnten bei einer falschen Bewegung in Tausend Teile zerspringen. "Sprained Ankle" hat, der Songtitel "Brittle Boned" sagt es schon, Glasknochen – deshalb hat die Platte auch nur wenig mit ähnlich spartanischen, aber erdigen Folk- Künstlern zu tun. Baker passieren ihre Songs mehr, als dass sie sie aufführt, zumal es darin immer existenziell um alles geht: Leben oder Tod, Hoffnung oder Verzweiflung, Erleuchtung oder Verdammnis. Besonders ergreifend klingt Bakers Suche nach Erlösung, wenn sie dabei wie in "Blacktop" und "Rejoice" explizit Gott anruft – die tiefe Spiritualität ihrer Songs hat sie mit US-Wunderkind-Kollege Noah Gundersen gemein. Atemberaubende Verlustangst-Songs wie "Everybody Does" oder "Something" kratzen aber auch so an den emotionalen Fundamenten des Hörers. Was für eine Ausnahmekünstlerin!

Leserbewertung: 11.0/12

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