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0 Autor: Carsten Sandkämper

Anna von Hausswolff - The Miraculous

The Miraculous

Frau von Hausswolff macht sich auf den Weg in eine andere Dimension. Ihre Trauer gewinnt an Fahrt in einer Welt, die immer mehr aus den Angeln gerät. Es sind Platten wie diese, die uns als Soundtrack zur Apokalypse dienen werden.

Dabei beschreibt die Schwedin in ihrer düsteren Mischung aus Postrock, Folk und Drone den permanenten Rückzug an einen geheimen Ort aus ihrer Kindheit. Als zentrales Instrument dieses eskapistischen Unterfangens thront die mit 9.000 Pfeifen bestückte Acusticum-Kirchenorgel im nordschwedischen Pitea im Zentrum der neun Stücke. Das gesamte Klangspektrum der Orgel, inklusive eingenautem Glockenspiel und Pfeifen, die wie Vogelstimmen klingen, kommt aus "The Miraculous" zum Einsatz und beschert dem Album sowohl eine sakral meditative Atmosphäre und klugen Minimalismus als auch verstörend dissonante Passagen, vor allem im Titeltrack. Addiert man hierzu von Hausswolffs Stimme, die zwischen Dagmar Krause, Diamanda Galas und Kate Bush changiert, stehen einem schon alleine durch diese Beschreibung die Nackenhaare aufrecht. In der Praxis funktioniert das Album jedoch geradezu hypnotisierend und stößt in keinster Weise ab. Wenngleich man Anna von Hausswolffs Ansicht der absoluten Trennung zwischen Kunst und Haltung eines Künstlers unbedingt hinterfragen muss - denn nur so kann sie ihre Bewunderung für einen Durchgeknallten wie Varg Vikernes rechtfertigen - kann man an dieser Stelle getrost konstatieren, dass sie mit "The Miraculous" etwas erschaffen hat wie Joanna Newsom mit "Ys": Ein Album, das jeden Hörer in den Arm nimmt und ihm eine sehr eigenwillige Form von Musik einimpft, auf dass die einen nie mehr verlasse.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 9.5/12

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