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Baron - Torpor

Torpor

Britische Retrofuturisten suchen ihr Heil in sakralem Schönklang und mittelalterlicher Symbolik. Dabei entsteht ein düster schimmernder Mix aus Psych, Prog und Folk.

Letzterer war auf der Insel immer tief verwurzelt in altertümlichem Liedgut. Baron arbeiten mit dessen Texturen in ihren klugen Rocksongs, ohne auch nur annähernd in klischeebeladene Kasperle-Gefilde abzudriften. Die vierköpfige Band aus Brighton und Nottingham lässt den Folk ihrer Heimat lieber mit progressivem Rock kollidieren. Durch das Retro-Artwork (siehe auch das Debüt "Columns", kostenlos bei Bandcamp erhältlich) und die klassische Instrumentierung aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und Orgel fühlt man sich nicht selten an britische Prog-Urväter erinnert, wobei Baron auch ein Faible für den Artpop von Kate Bush oder Talk Talk haben. Die acht Songs in knapp 50 Minuten enden in ihrer ambitionierten Herangehensweise nicht als verkopfte, technisch überfrachtete Brocken. Im Gegenteil, die Songs atmen, nehmen sich Zeit zur Entfaltung, ohne gleich zehn, zwölf oder mehr Minuten für sich beanspruchen zu müssen. Trotzdem darf sich die Orgel von Blue Firth am Ende von "Mark Maker" über zwei Minuten lang entfalten, um mit sakralen Sounds den Raum zu füllen. Dieser war bei Teilen des Albums übrigens Purton Green, eine der letzten erhaltenen mittelalterlichen Hallen im UK. Die Aufnahmen dort wurden heimlich und nicht ganz legal durchgeführt. Zwischendurch darf immer wieder die Gitarre des, im Bariton singenden Alex Crispin aufbegehren. Und wenn die nicht reicht, schaut Joe Hollick von den ähnlich ausgerichteten Wolf People vorbei, um etwa das achtminütige "Stry" oder das groovige "Deeper Align" mit zusätzlicher Wucht zu versehen.

Bewertung: 9/12

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