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0 Autor: Britta Helm

Deerhunter - Fading Frontier

Fading Frontier

Was viele nicht wissen: Wenn man den Krach nur auf einem Album anhatte, kann man ihn danach ganz einfach zurückgeben.

Deerhunter hat er halt doch nicht gepasst. Kann man ja nicht wissen, bis man es probiert, deshalb war "Monomania" vor zwei Jahren auch völlig berechtigt. Stellen wir jetzt aber gemeinsam und abschließend fest: Deerhunter sind nicht die Liars. Sondern eben eine dieser sanftmütigen Indiebands, die ihre Spleens lieber in einer keck angeschlagenen Taste auf dem Keyboard oder einem augenzwinkernden Reim ausleben sollten als in übermäßiger Verzerrung. Zu "Fading Frontier" machen die Amerikaner deshalb die Kehrtwende mit Extraschritt und landen mitten im Zuckerwatteland, wo einem außer fliegenden U-Booten oder Karussellpferden absolut nichts den Kopf kaputtmachen kann. Als hätte er etwas gutzumachen, singt Bradford Cox noch weicher als früher über die charmanten Umwege des Lebens und wiegt sich dabei zu leise zischenden Popmelodien. Langweilig wird ihm dabei nicht, dafür ist seine Band zu gut darin, bei Garagenverkäufen verstorbener Instrumentensammler immer noch ein Cembalo, ein Saxofon oder eine Steckverbindung aufzutreiben, die tatsächlich noch auf keinem ihrer bisherigen sechs Alben mitgespielt hat, und sie ihm in Pastelltönen frisch angestrichen ins Studio zu schieben. Irgendwas passiert immer auf "Fading Frontier", und immer kann man sich sicher sein, dass der spontan reinshuffelnde Funkfolk genauso wenig Zufall ist wie der ganz schön lang alleingelassene Herz-OP-Beat oder das Ploppen, wenn Cox aus nächster Nähe ins nackte Mikro haucht. Deerhunter wissen, was sie tun. Und rechtzeitig zum siebten Album wissen sie auch wieder, wie sie das am verlässlichsten machen.

Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 9.0/12

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