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0 Autor: Frederik Tebbe

Ignite - A War Against You

A War Against You

"This is your chance to begin again." - Nach einem knappen Jahrzehnt gibt es endlich ein neues Album von Ignite. Verlernt hat die Band aus Kalifornien nichts und zeigt wieder mal, wer stadiontauglichen Punkrock erfunden hat.

Gut zehn Jahre ist es her, dass Ignite "Our Darkest Days" veröffentlicht haben. Seitdem ist die Band erfolgreich um die ganze Welt getourt, die einzelnen Musiker haben sich zwischendurch aber auch anderweitig beschäftigt. Sänger Zoli Téglás etwa ist zeitweise für Jim Lindberg bei Pennywise eingesprungen, als dieser sich verstärkt um seine Familie kümmern wollte, Bassist Brett Rasmussen war als Tourmanager unterwegs und gründete mit Nations Afire auch eine neue Band. Ignite spielten trotzdem, wo und wann sie konnten, mussten dabei jedoch notgedrungen ihr eigenes Programm recyceln. "A War Against You" ist erst ihr fünftes Album in 23 Jahren und zeigt, warum Ignite trotz geringen Outputs eine unabdingbare Größe im Punk und Hardcore sind. Wer die melodische Melancholie und druckvolle Produktion einer Band wie Rise Against schätzt, die es schafft, politische Attitüde und große Hymnen mit ihren Hardcorewurzeln unter einen Hut zu bringen, der kommt an Ignite erst recht nicht vorbei. Für Téglás war Ignite immer auch politisches Sprachrohr und nicht nur künstlerischer Output, entsprechend dringlich sind die Botschaften auf "A War Against You". Das hält die Band aber keineswegs davon ab, ihre Message verdammt catchy zu präsentieren. Exemplarisch dafür ist das hymnische Anti-Kriegs-Stück "Oh No Not Again": "Oh no/ Not again/ Just another army coming marching in/ […] If this is liberation then we’re all insane", singt Téglás da und reiht sich damit zwischen Tim McIlrath und Edwin Starr ein, während die Band im Midtempo stampft und drückt und man Ignite nicht oft genug dazu beglückwünschen kann, dass sie hier eben nicht der Versuchung nachgegeben haben, die Akustikgitarre auszupacken. Grundsätzlich gehen Ignite auf "A War Against You" mit voller Kraft voraus und setzen diese Kraft ein ums andere Mal in hochmelodische Refrains um. "You Saved Me" etwa spielt sowohl ihre Punk- als auch Hardcore-Wurzeln voll aus: Wo in den Strophen das Schlagzeug im Schweinsgalopp nach vorne prescht, scheut sich Téglás im Chorus nicht vor einem Kopfsprung in poppige Gefilde und sorgt erst so für einen echten Ohrwurm. Ähnliches gilt für die drei großartigen Songs "Alive", "Descend" und "Work", in denen richtig deutlich wird, dass hinter Ignite exzellente Songwriter stecken. Dabei ist Téglás’ unverwechselbar hohe Stimme Dreh und Angelpunkt der Band, sie verleiht den Songs mal ein hymnisches, mal ein bittersüß melancholisches Gesicht. Er geht dabei ganz in seiner Rolle als Frontmann und Sprachrohr auf, dem man beim Stagediving gerne High- Five geben möchte und der gerade für junge Fans ein Lebensgefühl vermittelt, das am besten ewig anhalten sollte. Mit "A War Against You" erweisen sich Ignite einmal mehr als Türöffner, der mit großen Melodien, einprägsamen Slogans und offenen Armen jeden empfängt. Oder, wie es im Opener heißt: "This is your chance to begin again".

Leserbewertung: 10.0/12

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