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1 Autor: Matthias Möde

Deafheaven - New Bermuda

New Bermuda
  • VÖ: 02.10.2015
  • Label: Anti
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 271 - Platte des Monats

Mit dem meisterhaften "Sunbather" verließen Deafheaven 2013 ihre Nische und machten ihren progressiven Black Metal salonfähig. "New Bermuda" spielt unter anderem mit Thrash-Metal, bleibt vielfältig und brutal gut, die Dringlichkeit und Stimmigkeit von "Sunbather" erreicht es nicht ganz.

Welcher Deafheaven-Fan hätte Anfang 2013 geglaubt, dass er wenige Monate später auf Hipster und deren bevorzugte Medien schimpfen würde, die seine Lieblingsband plötzlich in den Himmel loben? Es wurden schon viele Bands hochgejubelt, bei denen der lagerübergreifend positiv ausfallende Tenor nachvollziehbar(er) war. Aber Blastbeats und Gekeife aus der Hölle zur Latte Macchiato – das war zu viel. Dabei ist es durchaus nachvollziehbar, dass Deafheaven mit "Sunbather" Zuhörer gewannen, schließlich öffneten sie ihren von Beginn an progressiven Black-Metal-Sound damit weiter. Mit ihrem 2010 veröffentlichten Demo (das nicht nur unter Nerds im visions.de-Forum großes Ansehen genießt) verbanden Deafheaven bereits variable Raserei mit Akustikgitarren und mindestens einem Song, der über den Tellerrand blickt: "Exit: Denied" könnte man aus heutiger Sicht als Anfang ihrer Sounderweiterung betrachten. Das Debütalbum "Roads To Judah" begann 2011 schließlich nicht zufällig mit einem Ambient-Part und verträumten Gitarren, war aber noch nicht so offen für Postrock, Shoegaze, Melancholie und Melodie. Nach der "Roads To Judah"-Tour sollen die Deafheaven-Köpfe George Clarke und Kerry McCoy vor einem finanziellen Problem gestanden haben; nach den Touren zu "Sunbather" hatten sie ein anderes: Wie sollten sie die Offenheit und den Erfolg dieses Meisterwerks bloß toppen? Ein neues Element bei der Umsetzung des Versuchs sind Thrash-Metal-Riffs, die das Album wie Einschläge regelmäßig durchziehen. Und da ist noch vieles mehr, zum Beispiel Klavier-Interludes und Alternative-Rock-Momente – "Weniger ist mehr" haben sich Deafheaven jedenfalls nicht auf die Fahne geschrieben. Schon eher haben sie ihrer Vielfalt freien Lauf gelassen und sie zu fünf Songwundern geschnürt, deren Basis der Black Metal ist. Um einen Song wie "Luna" in seine Einzelheiten zu zerlegen, reicht der Platz hier nicht aus. Die Kurzform: Rasende Thrash-Riffs eröffnen, während George Clarke schreit, als stünde er im Fegefeuer; ein paar Postrock-Gitarren, Rhythmuswechsel und Breakdowns später sind sechs Minuten vergangen, und der Song geht in einen ruhigen Klavierpart über, letztlich faucht Clarke noch mal zu schleppender Instrumentierung. "Baby Blue" geht den umgekehrten Weg, beginnt mit hoffnungsvoller Melancholie und schleicht dann auf ein grandios ausuferndes Gitarrensolo und klassische Thrash-Metal-Riffs zu, bis Clarkes Gekeife im finalen Part so zwingend und tonangebend ist wie selten. Hier passt alles, sogar das etwas gewollte Field-Recording-Fade-Out. Von der ganzen Platte kann man das nicht immer behaupten, manchmal schmeißt "New Bermuda" etwas zu viel des Guten in den Glutofen – aber das ist natürlich Meckern auf hohem "Sunbather"-Niveau. Wie progressiv und grandios diese Band diverse Musikstile vermengt, ist nach wie vor atemberaubend.

Leserbewertung: 8.7/12

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Kommentare (1)

Avatar von timothem timothem 30.09.2015 | 22:02

Nicht mein Fall. Klingt irgendwie nicht rund.

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