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0 Autor: André Bosse

Franz Nicolay - To Us, The Beautiful

To Us, The Beautiful
  • VÖ: 16.01.2015
  • Label: Xtra Mile Recordings/Indigo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 262

Das Leben feiern: Leidenschaftliche Folkrocksongs des ehemaligen Hold-Steady-Keyboarders.

Bei The Hold Steady wird Franz Nicolay weiter vermisst. Der Keyboarder hatte dem starken maskulinen Element der Band ein Gegengewicht gegeben – und sie dadurch besser gemacht. Dass beide Lager nicht mehr miteinander konnten, ist verständlich: The Hold Steady spielen mittlerweile mit drei Gitarristen, da ist wenig Platz für Tasten. Andererseits kann Nicolay auch auf seinem vierten Album unter eigenem Namen den Hang zur Hold-Steady-Hymne nicht verbergen: Das Titelstück hat zu Beginn die fetten Chöre, die starke Melodie – und driftet erst später in eine Art Kirmes-Punk ab, der seiner alten Band zu exaltiert gewesen wäre. "To us the beautiful/ And to those who disagree/ May their eyes fall out", lautet der ukrainische Trinkspruch, der dem Album das Motto gibt. So mag er es: trinkfest, derb, romantisch. "Talk To Him In Shallow Water" kommt einem keltischen Kneipensong nahe. Nicolay sagt, er habe im Vorfeld viel Waterboys gehört, das merkt man. Und das Seemännische bekommt der Platte gut, zumal der Kerl gar nicht erst versucht, rau und vernarbt rüberzukommen. Nicolay gibt den Gentleman im Verruchten, den Troubadix unter Kriegern – nur mit deutlich mehr Erfolg als der Gallier. Die Sache ist nur die: Auf Albumlänge ermüden die Stimme und das ständige Drama. Wenn jeder Song vorgetragen wird, als wäre er ein feierlicher Beitrag zum Ende der Welt, dann wird selbst die Apokalypse langweilig. Das Fazit ist doof, aber wahr: Franz Nicolay als Melodiegeber sowie gelegentlicher Songwriter und Sänger bei The Hold Steady, das wäre wunderbar. Man wird ja mal träumen dürfen. Macht der Mann ja auch.

Bewertung: 6/12

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