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0 Autor: Christian Wiensgol

Nathan Gray - NTHN GRY

NTHN GRY

Was ist das Gegenteil einer Singer/Songwriter-Platte? Endzeit-Industrial-Folk? Boysetsfire-Frontmann Nathan Gray lotet auf seinem Solodebüt die Extreme aus.

Debüt stimmt natürlich nicht ganz. Erstens, weil "NTHN GRY" nur eine Vorab-EP ist, und zweitens tobte sich Gray in den letzten Jahren häufiger abseits seiner wiedervereinten Posthardcoreband Boysetsfire aus. Von Keyboard-Indie bis zu satanischem Metal war bei ihm alles drin – außer einer Akustikgitarre vielleicht. Auf den ersten vier Songs unter eigenem Namen (ergänzt um einen Remix, zwei Akustikversionen und eine B-Seite) lässt Gray seinen Kumpel Daniel Smith zwar die Akustische spielen, sie bildet aber nur das Grundgerüst eines breit angelegten Sounds, der von Synthesizern, stoischen Drums und trippigen Beats betont wird. Der Opener "Wolves" klingt, als würde gleich Arnold Schwarzenegger mit Lederjacke um die Ecke kommen, und auch der einsetzende Gesang stiftet Verwirrung. Von Grays eigentlich unverkennbarer Stimme bleibt nicht viel übrig, wenn er in tiefer Tonlage düster flüsternd den Prediger des Fegefeuers gibt: "In shallow graves we stand enlightened/ fed from the flames as they ignited". Gesanglich setzt er zwar später immer wieder zu vertraut wirkenden Melodiebögen an, sie bleiben aber das Einzige, an das sich alte Fans klammern können. Mit seinem Soloprojekt geht Gray weder textlich noch musikalisch Kompromisse ein, das Ergebnis ist der Soundtrack zu einer in eindringlichen Bildern erzählten Dystopie, die im finalen "Corson (An Ode To Vital Existance)" doch noch Hoffnung auf Erlösung macht – im doppelten Sinn, denn mit anderen Mitteln hätte sie eine schön pathetische Boysetsfire-Ballade abgegeben.

Leserbewertung: 6.5/12

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