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0 Autor: Toby Schaper

Windhand - Grief’s Infernal Flower

Grief’s Infernal Flower

Knarziger klassischer Doom Metal, der durch den milden weiblichen Gesang eine angenehm freundliche Note erhält.

Wonach entscheiden Doom-Metal-Bands eigentlich, wann ein Riff oft genug gespielt wurde und ein Song zu Ende ist? Wahrscheinlich rein intuitiv, so wie alles an dieser wohl ursprünglichsten und unprätentiösesten Rockmusik unserer Zeit komplett von Herzen und ohne Formeln und Regeln auskommt – wer Reichtum, Ruhm und Glamour sucht, wird hier eh nicht mitmachen. Wenn Songs wie "Hesperus" oder "Kingfisher" sich beim Spielen nach 14 Minuten Länge anfühlen, dann bleiben die Songs eben so lang. In Konventionen wird hier nicht gedacht, und dadurch entsteht der Sog, der diese Musik so verführerisch macht. Die Riffs knarzen hier wie zu besten Saint-Vitus-Zeiten, und wurden von Produzentenlegende Jack Endino (Nirvana, Mudhoney, L7) unverfälscht und trocken in Szene gesetzt. Jeder Akkord, jedes Becken, jeder Drumbeat wird stehen gelassen und darf eine Weile (durch)atmen, bevor es weitergeht und einen die warme Atmosphäre umfängt wie ein Bärenfell. Dazu trägt wesentlich der Gesang von Sängerin Dorthia Cottrell bei: Nichts daran ist garstig oder aggressiv, ihr mildes Timbre fügt sich komplett in die Riffwände ein, wird Teil eines Ganzen und drängt nicht zum Mittelpunkt. Wie zart sie ihre Stimme zwischen die Riffmonolithen legen kann, zeigt sie exponiert bei den spartanischen Folkstücken Sparrow und Aition, einem berückenden Schlaflied, untermalt vom Pfeifen des Windes und einer einsamen Akustikgitarre. Wald- und Wiesen-Musik für den Herbst, schwermütig aber nicht deprimierend. Und am Ende weiß man wieder, warum Doom Metal vielleicht die überraschungsärmste, aber auch die verlässlichste Musik ist.

Bewertung: 8/12

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