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0 Autor: Markus Hockenbrink

Uncle Acid & The Deadbeats - The Night Creeper

The Night Creeper

Uncle Acid sind wie der bärtige Junggeselle, der über der Garage wohnt, in der die ganze Nacht schummriges Licht brennt. Das Mobiliar des Zimmers besteht aus Black-Sabbath-LPs, alten Pornoheften, Edgar Wallace-Hörspielen, roten Kerzen, Charles-Manson-Postern und der weltgrößten Bong.

Wer in diesem Ambiente etwas von authentischer Rockmusik faselt, kriegt wahrscheinlich sofort einen Arschtritt, denn was das englische Trio auf "The Night Creeper" veranstaltet, mag musikalisch irgendwo zwischen Doom, Psychedelic und Hardrock eingeordnet werden, speist sich aber eigentlich aus der Phantasie eines Comicfans. Der ganze Kult um Uncle Acid ist selbstinszeniert, vom okkulten Artwork über die ominöse Bühnenshow bis zum diabolischen Internetauftritt. Bei einer solch glänzenden Verpackung fürchtet man oft ein lausiges Produkt, doch "The Night Creeper" ist jetzt schon das vierte Album, mit dem die Band aus Cambridge die Mundwinkel eines erfrischend heterogenen Publikums nach oben zieht – und zwar ganz ohne Folter. Sie erreicht es stattdessen durch meterdicke Powerchords in Lavageschwindigkeit, die auf fies getrimmte Eunuchenstimme von Sänger Kevin Starrs und Texte, die ungefähr Jack The Rippers Vorstellung eines Kindergedichts entsprächen. Im Verbund mit dem satten Groove und einem unverschämten Ohr für Pop-Melodien entwickelt sich daraus eine Musik in Primärtönen, die Sex und Gewalt in einen irritierenden Zusammenhang setzt und zweifelhafte Versprechungen macht: „I won’t hurt you, Melody Lane“. Mit dem ausdrücklichen Einverständnis, dass Uncle Acids "Night Creeper" ungefähr so real ist wie der Iron Man, ist diese Platte jedoch der verführerischste Horrortrip seit langem.

Bewertung: 9/12

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