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The Arcs - Yours, Dreamily

Yours, Dreamily

Vier-Ohren-Test

Dan Auerbachs zweites Soloalbum ist letztlich doch eine Bandplatte geworden. Sie hätte auch ein gutes Black-Keys-Album abgegeben. Vor zehn Jahren hätte man das so noch nicht geschrieben. Damals waren die Black Keys noch eine Garagenrock-Band mit Soul-Faible, heute haben sich die Verhältnisse da fast verkehrt. Wirklich klar ist also nicht, warum ihr Frontmann die Songs von "Yours, Dreamily" nicht für seine Hauptband aufgespart hat; vor allem deren letztjährige Platte "Turn Blue" gab sich ähnlich griffig und herausgeputzt wie nun das Arcs-Debüt. Gut möglich ist natürlich, dass die Soulisierung der "Black Keys" vor allem auf Auerbachs Mist gewachsen, und er damit seinem kongenialen Sidekick Patrick Carney mehr und mehr auf den Zeiger gegangen ist. Dann wäre "Yours, Dreamily" also das Ventil, das beide dringend brauchten. Die Frage ist aber gerade eher, wer "Yours, Dreamily" sonst noch braucht – und schnell beantwortet: Wer an den Black Keys vor allem Auerbachs Stimmlage und seine melancholischen Melodien schätzt und zwischen Alabama Shakes und Broken Bells noch ein Plätzchen frei hat in der Abteilung „Indierock goes Neosoul“, der wird sich mit den Arcs und ihren kleinen catchy Songs prima arrangieren können. Auerbachs Wohlklang-Offensive birgt natürlich die Gefahr, dass sie sang- und klanglos an einem vorbeifliegt. Aber vermessen ist es sicher nicht von ihm, die Grundbereitschaft einzufordern, auch mal einen sanften Synthesizer zu ertragen, wo früher eine Gitarre rumgepöbelt hätte. 8/12 dennis plauk

Die schlimmste Wassertemperatur? Lauwarm. Das übelste Urteil? „Ganz ok“. Wie das Debüt von The Arcs. Klar, Dan Auerbach ist unterfordert: Mit den überschaubaren Black Keys heimst der talentierte Sänger und Gitarrist Grammy um Goldene Schallplatte ein, kein Wunder, dass er sich nun mit Freunden mal ungezwungen über alle Grenzen hinweg ausprobiert. Nur: So klingt der allamerikanische Crosscountry-Jam auch, aus dem das Debütalbum von The Arcs entstanden ist. Statt kompakter Gitarren blubbern hier Bässe und Synthesizer durch ein weichgezeichnetes, elektronisch knisterndes Sammelsurium, bei dem Rock maximal den kleinsten gemeinsamen Nenner stellt. Und das sich enorm sexy und elegant-benebelt gibt, aber eher wie die verblühte Dorfschönheit von einst wirkt. Jedes Element dieses latent wahllosen Zirkus-Soul-Elektro-Psychrocks gibt es anderswo besser: Wer es LSD-bunt mag, hört sowieso schon lange die Flaming Lips, das mit dem Soul im modernen Indierock kann derzeit niemand besser als die Alabama Shakes, und Stöhnsamples wie in "Come & Go" überlässt man besser Grenzgängern zwischen HipHop und Soul – "Yours, Dreamily" ist die Platte, die im direkten Vergleich immer als letzter in die Fußballmannschaft gewählt wird. Eine, der vor lauter Schwelgen und „Soulen“ die Songs weggeschwommen sind. Treffer wie das kreischend verzerrte, Tarantino-twangig dahinfließende "The Arc" oder die schaukelnde Bass- und Synthie-Dröhnung "Put A Flower in Your Pocket" bleiben die Ausnahme. Der Rest? Lauwarm, „ganz ok“. 5/12 dennis drögemüller

Leserbewertung: 11.0/12

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