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0 Autor: Stefan Reuter

Rolo Tomassi - Grievances

Grievances

Einzigartig klangen Rolo Tomassi schon immer, auf ihrem vierten Album treiben sie ihr Spiel mit den Kontrasten auf die Spitze – zum Sterben schön und brutal wie nie.

Auch im zehnten Bandjahr herrscht beim Quintett aus Sheffield keine Spur von Stillstand. Machte das Debüt "Hysterics" 2008 zwischen Riffgeschnetzeltem, Casio-Wahnsinn und der furchteinflößenden bis lieblichen Gesangsdarbietung von Eva Spence seinem Namen alle Ehre, schwangen sich die immer noch blutjungen Briten bereits 2010 auf "Cosmology" in neue Höhen. Mit "Astraea" festigten sie diesen Sound vor drei Jahren, "Grievances" ist nun die nächste Stufe ihrer Evolution. Wie auch immer Rolo Tomassi auf einen Songtitel wie "Raumdeuter" gekommen sind, er könnte kaum besser zu einem Song passen, der Hardcore-Wucht, Science-Fiction-Synthies und herzzerreißend träumerisch gesungene Zeilen wie „Bewitched by the black/ Let it wash over you“ zu einem schlüssigen Ganzen vereint. Die Sequenz aus "Crystal Cascades", "Chandelier Shiver" und "Funereal" sticht besonders hervor: Atmosphärischer Postrock geht in kammermusikalische Intimität über, schneidet Black Metal an – mit dem Effekt, dass man Rolo Tomassi spätestens beim großen Crescendo völlig verfallen ist. Den Fixpunkt bildet Eva Spence, selbst in den chaotischsten Ausbrüchen. Hinzu kommt die emotionale Wucht der Texte, etwa die in "Stage Knives" geschilderte Verlorenheit: „Ethereal and haunting/ The wandering and yearning/ Characters I’ve kept/ Plotless and neglecting/ The architect and monument/ Neither here nor there/ Forever elsewhere“. "Grievances" ist kein einfach zu konsumierendes Album, nichts für Zwischendurch, dafür umso kathartischer und von dunkler Schönheit.

Bewertung: 10/12

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