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0 Autor: Christian Wiensgol

Millencolin - True Brew

True Brew

Ganz so oldschool wie angekündigt ist True Brew nicht ausgefallen, aber Millencolin finden nach Jahren im kreativen Niemandsland tatsächlich zu alter Stärke zurück.

Zu erwarten war das beileibe nicht. Die vier Schweden kommen zwar Jahr für Jahr auf Tour, hatten aber seit "Machine 15" von 2008 weder neue Songs, noch sonderlich inspirierte Auftritte zu bieten. Die Vermutung lag nahe, dass die Melodycore-Überlebenden es sich mit ihrem Erbe gemütlich machen wollten. In der nicht unbedingt schmeichelhafteren Realität sieht es eher so aus, dass sie in den letzten Jahren keineswegs zur reinen Live- und T-Shirt-Band verkommen wollten. Nach dem siebten Album aber bereits so viel Zeit ins Land gestrichen war, dass die eigenen Ansprüche an ein Album-Comeback Jahr um Jahr größer wurden, ihnen neue Songideen aber nicht gerade zuflogen. Schließlich sind Millencolin weder Koryphäen noch Bad Religion, auch wenn sie letztere als expliziten Einfluss auf True Brew angeben, mit dem sie den Vibe ihrer Anfangstage zurückholen wollen. Konkret heißt das: Keine Schnörkel und keine Balladen, ja nicht mal eine Midtempo-Nummer. Ein Klavier-Intro und eine Slide-Guitar bleiben die einzigen Ausschmückungen. Tatsächlich sind alle 13 Songs nicht nur laut und schnell, sie versprühen auch die verloren geglaubte Energie, für die Millencolin in den 90ern stand, auch wenn True Brew musikalisch eher an das Umbruchalbum "Pennybridge Pioneers" anknüpft. Als wäre das nicht erfreulich genug, überrascht "Sense & Sensibility" mit einer ungewohnt deutlichen Absage an den alltäglichen Mittelschichtsrassismus, der nicht nur in Schweden auf dem Vormarsch ist. Und das geht bekanntermaßen am besten laut.

Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 9.7/12

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