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0 Autor: Sebastian Stöwer

The Tallest Man On Earth - Dark Bird Is Home

Dark Bird Is Home

Bisher war The Tallest Man On Earth der Mann mit der Gitarre. Jetzt positioniert sich eine Band in seinem Rücken. Das ist für einen Moment befremdlich, dann wird klar: Irgendwie hat man sich die schon immer dazugedacht.

Im Sinne der Holzfällerromantik des Folk ist Kristian Matsson trotzdem eher der Typ einsamer Landstreicher, der sich seine Werkzeuge selbst schnitzt und mit Steinschleudern schießt. Ein Reisender, dem Eichhörnchen den Weg weisen. Wenn er eine Pause macht, um an neuen Liedern zu werkeln, landet schon mal ein Vogel auf dem Gitarrenhals. Wie der Albumtitel bereits andeutet, lässt sich die Vogelmetapher auf "Dark Bird Is Home" beliebig weiterspinnen. Tatsächlich triumphieren Trompeten wie Gezwitscher über den kleinen Geschichten, die Matsson erzählt. Sie handeln davon, die eigene Traurigkeit einzuordnen und mit ihr umzugehen; von Liebesbeziehungen, die abstrakt genug erzählt sind, um sich darin wiederzufinden. Das starke Songwriting und die dominierende Stimme Matssons lassen beinahe vergessen, dass sich neben der reichhaltigen Instrumentierung an einigen Stellen sogar Background-Sängerinnen einschleichen ("Beginners"). Zur Geltung kommt der dichtere Sound insbesondere, wenn das repetitive Muster der Strophen (hier erinnert das Album gar an The War On Drugs) plötzlich aufgebrochen wird: Sobald im Titelsong die Band einsetzt und dem Stück einen gänzlich neuen Rhythmus verleiht, läuft dem Hörer ein wohliger Schauer über den Rücken. Die kleinen Balladen und zerbrechlichen Momente hat sich Matsson auch auf seinem vierten Album bewahrt ("Little Nowhere Towns"), abgerundet wird "Dark Bird Is Home" aber ein wenig lauter und kräftiger.

Bewertung: 8/12

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