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0 Autor: Thomas Neukum

Mew - +-

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Indie-Prog fürs Stadion – Schwelgerisch und klug, in Deutschland aus unerfindlichen Gründen kaum bekannt.

Vor einigen Jahren spielten Mew im Berliner Club Lido, während wenige Meter entfernt Musedie rund 40 mal größere O2-World ausverkauften. Einen plausiblen Grund für den enormen Größenunterschied der Bands gibt es nicht, nicht nur sind die Namen sehr ähnlich, auch stilistisch fischen sie im gleichen Wasser. Qualitativ sind die Däenen Mew ihren britischen Kollegen sogar ein Stück voraus, sind im Grunde die eierlegende Wollmilchsau des Indierock. Sie haben die Hitmelodien von Coldplay oder Keane, ohne in Sahnesoße zu ertrinken, die zickigen Beats von Bloc Party, das ambitionierte Songwriting von Radiohead, ohne deren überzogene Kunstbeflissenheit, dazu das Schwerelose und den androgynen Gesang von Sigur Rós und das Cineastische von Dredg. Zudem schaffen sie es, ihr Album wie ein in sich geschlossenes Konzeptwerk wirken zu lassen, in dem trotzdem jeder Song für sich funktioniert. Was in einem heillosen Durcheinander enden kann, wird durch den Perfektionismus der ehemaligen Kunststudenten in funkelnde Stücke gegossen, die gerne Überlänge haben, aber immer catchy bleiben. Dabei verströmen sie oft die unterkühlte Melancholie der Pet Shop Boys, um dann wieder weltumarmend zu jubilieren. Das ist Musik, in der man sich verlieren kann, Pop, der sich nicht totläuft, und aus gutem Grunde in ihrer Heimat schon lange mit Platin dekoriert wird. Schönster Moment einer berückenden Platte: Der an Underworlds "Born Slippy" erinnernde Schluss von "Clinging To A Bad Dream". In seinem Bereich scheitert "+/-" lediglich an einer Platte: Dem epochalen Majordebüt "Frengers"von 2003, das tatsächlich noch größere Hymnen zu bieten hat.

Bewertung: 9/12

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