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0 Autor: Sebastian Stöwer

Menace Beach - Ratworld

Ratworld
  • VÖ: 23.01.2015
  • Label: Memphis Industries / Indigo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 263

Die Ratworld von Menace Beach ist sauber abgesteckt. Ihr Zentrum ist die dreckige Industriestadt Leeds, ihre Grenze der Horizont der 90er - eine gute Zeit für die Heimat der Band.

Anfang des Jahrzehnts machen die Söhne der Stadt ihre Gründungsväter mächtig stolz. Leeds United wird zum vorerst letzten Mal englischer Fußballmeister und die Gang Of Four ist zurück, wenn auch mit Startschwierigkeiten. In England tobt zudem der Britpop-Wahn, doch die Musikpresse schielt eher auf Indierock und Grunge aus Übersee. Zwei Jahrzehnte später sieht die Sache anders aus: Im Fußball gewinnen nur noch Vereine aus London oder Manchester, doch dank Menace Beach darf Leeds wieder in Sachen 90er inspirierten Indierock mitreden. Ein Glück, dass Verzerrer-Pedale nie aus der Mode gekommen sind. Auf den zwölf Songs von Ratworld sind nämlich gefühlt ebensoviele Pedale gleichzeitig in Betrieb. Der Opener erhebt die Freude am Unperfekten zum Stilmittel, das Feedback der Gitarren schwebt im Anschluss klirrend oder drohend über jedem weiteren Song. Der Gesang von Liza Violet und Ryan Needham funktioniert am besten, wenn sie gleichzeitig am Mikrofon stehen. Doch auch die Harmonie der Gründungsmitglieder kann nicht verbergen, dass einigen Songs wie "Drop Outs" die Eingängigkeit und der Shoegaze-Ballade "Pick Out The Pieces" die Kanten fehlen. Positive Gegenbeispiele sind "Tennis Court" und "Tastes Like Medicine", die Pavement Konkurrenz gemacht hätten, das Uptempo-Brett "Lowtalkin‘" besticht durch seine Konsequenz. Vielleicht zeigt "Ratworld" ein wenig zu gewollt die schmutzige Lo-Fi-Seite des Rock, aus den Texten spricht dennoch eine unverkrampfte Ehrlichkeit. Es gibt schlechtere Vorzeichen für ein Debüt.

Bewertung: 7/12

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