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0 Autor: Christian Wiensgol

Waxahatchee - Ivy Tripp

Ivy Tripp

Kritikerliebling Katie Crutchfield zelebriert immer noch das Große im Kleinen, profitiert auf ihrem dritten Album aber von gewachsenem Selbstbewusstsein.

"Ivy Tripp" sei nicht nur ein Phantasiewort für die Richtungslosigkeit der Twenty-Somethings, sondern im Gegensatz zum ebenfalls erfundenen "Cerulean Salt", dem Titel des Vorgängers, gasförmig und nicht fest. Man widerspricht der gebürtigen Südstaatlerin, die zugleich Hipness und Landei-Understatement ausstrahlt, nur ungern, aber es ließe sich auch umgekehrt argumentieren: Verflüchtigen sich die schwer greifbaren Songs auf dem gefeierten "Cerulean Salt" in alle Himmelsrichtungen, hat "Ivy Tripp" ein festes, wenn auch keinesfalls unzerbrechliches Fundament. So sicher, wie Crutchfield prekäre Beziehungen vertont, muss man mit Mitte 20 erst mal sein. Bei der musikalischen Umsetzung traut sie sich ebenfalls mehr zu. Wenn sie direkt im Opener "Breathless" in einen Kanon mit sich selbst einstimmt, ist Björk nicht weit. Mit "Under A Rock", "Poison" und "The Dirt" löst sie zudem ihr Versprechen auf vollinstrumentierten 90er-Indierock ein. Doch am sichersten ist Crutchfield immer noch in ihrer minimalsten Form, wenn sie ihrer Stimme im Song gewordenen Kniefall "Summer Of Love" nur Gitarre, Diktiergerät und Hundegebell zur Seite stellt, oder in "La Loose" und "Air" Richtung Dreampop abdriftet. Trotz gereiftem Songwriting löst "Ivy Tripp" sich nie in Wohlgefallen oder Schönklang auf. Damit das auch jeder versteht, endet der Song charmant dissonant mit schrägen Gitarren und einem Trommelwirbel, der selbst nicht zu wissen scheint, was er auf einem Waxahatchee-Album zu suchen hat, aber zu stolz ist, einfach aufzuhören.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 9.5/12

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