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0 Autor: Stefan Reuter

Callejon - Wir sind Angst

Wir sind Angst

Deutschsprachiger Metal für die Massen: Callejon haben ihre Nische gefunden und werden einen Teufel tun, diese wieder zu verlassen. Willkommen in der Sackgasse!

Dafür, dass die Nordrhein-Westfalen mit ihrem fünften Album – das uninspirierte Cover-Album "Man spricht Deutsch" von 2013 außen vorgelassen – vermeintlich aufrütteln wollen, machen sie selbst es sich ziemlich bequem. Aber hey, "Dagegensein ist in“, nur gegen was? Klar, gegen den "fetten Mann im Anzug“ ("Wir sind Angst"), gegen das Schweigen ("Schreien ist Gold") und gegen die "Krankheit Mensch". So abgeschmackt diese Metapher auch ist, musikalisch sorgen die apokalyptische Atmosphäre und das lautmalerische Rammstein-R für willkommene Abwechslung zwischen textlichen Plattitüden, Metalcore-Versatzstücken und schmalzigem Klargesang. Apropos: Die todlangweilige Quoten-Ballade "Erst wenn Disneyland brennt" hält leider keineswegs, was der reizvolle Titel verspricht. Dafür überzeugt "Ich lehne leidenschaftlich ab" als kompromisslose Anti-Hymne inklusive Mitgröhl-Refrain, die sich kurzzeitig überraschend nahe an waschechte Black-Metal-Raserei heranwagt und ein "Mortal Kombat“-Sample hinterherschiebt. Diese gesunde Portion Selbstironie fehlt ansonsten, auch bei "Dunkelherz" erinnert nur der Titel an Tage, in denen die Band ihre Musik noch als "scrEMOmetal“ bezeichnete und sich dabei ins Fäustchen lachte. "Veni Vidi Vici", der inoffizielle Nachfolger der beiden "Porn From Spain"-Teile, verdeutlicht das Problem noch besser: Anstatt bissig die Szenepolizei und das Hipstertum zu dissen, werden nun leidlich kreativ "Spießerbitches“ im Allgemeinen angegangen: "Wir sind die neue Generation!“ Nein, ihr seid Durchschnitt.

Bewertung: 5/12

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