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0 Autor: Florian Zandt

Retox - Beneath California

Beneath California

Die Hürde zum verflixten dritten Album überspringen Retox nicht einfach. Sie reißen sie um, stecken sie mit Pechfackeln in Brand und beschmieren sich mit ihrer Asche. Denn auf Nettigkeiten haben Justin Pearson und Co. überhaupt keine Lust.

Nicht einmal zehn Sekunden braucht die Band um Mastermind Pearson, der sich schon bei The Locust die Seele aus dem Leib gekeift hat, um ihr Territorium abzustecken und die Grenzen mit musikalischen Sprengfallen zu sichern: "Die In Your Own Cathedral" setzt auf Gitarrenfeedback, schiefe Melodien und ein um sich schlagendes Stakkato-Schlagzeug und sagt in seinen 54 Sekunden Laufzeit mehr aus als so manche moderne Hardcore-Band auf einem kompletten Album. Bewusste Dissonanz zieht sich als Stilmittel durch die gesamte Platte, egal ob im bedrohlichen "Let’s Not Keep In Touch", das wohl eines der besten Musikvideos dieses Jahres verpasst bekommen hat, oder dem Blastbeat-befeuerten "You’re Only A Crook If You Get Caught". Seine besten Momente hat "Beneath California" allerdings dem eigensinnigen Groove zu verdanken, der Songs wie "Disappointing Grade" und "Wooden Nickels" fast schon eingängig macht – bevor das allgegenwärtige Gitarrenfeedback die Wunschträume von einem, auch für den Mosh Pit kompatiblen Hardcore-Album gekonnt zerfräst. "Beneath California" ist der Soundtrack zum Spiegelzertrümmern und Kopf-gegen-die-Wand-Hämmern. Die Platte will mit ihren kantigen Rhythmen und ballernden Riffs, ihrer fies-angepissten Grundhaltung und dem heiseren Kreischen Pearsons niemandem gefallen, außer sich selbst – und ist gerade deswegen ein erfrischender Gegenpol zum stromlinienförmigen Hardcore nach Schema F, den so viele Bands liefern.

Bewertung: 9/12

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