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0 Autor: André Bosse

Mark Kozelek - Sings Christmas Carols

Sings Christmas Carols
  • VÖ: 07.11.2014
  • Label: Caldo Verde/Cargo Records
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 262

Ausnahmsweise keine Songs über den Tod, sondern eine Geburt: Kozelek singt angemessen feierlich zum Fest.

Mark Kozelek gibt so gerne Interviews wie Normalsterbliche einen Termin zur Wurzelbehandlung vereinbaren. Aber ab und an muss es mal sein. Im letzten Jahr hatte VISIONS das Vergnügen. Ende 2014 war das britische Magazin Uncut an der Reihe. Kozelek gibt sich im Gespräch als ehrliche Haut, bittet aber auch darum, ihn nicht länger als Menschenfeind wahrzunehmen. An jedem Tag gelinge es ihm, einem anderen Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. "Verhält sich so ein Arschloch?", fragt er. Nein. Und Arschlöcher, das darf man wohl annehmen, nehmen auch keine Weihnachtsalben auf. Zumindest nicht solche wie dieses: Eine Sammlung klassischer Werke, von "O Christmas Tree" und "Silent Night" bis "Hark The Herald Angels Sing" und "O Come All Ye Faithful". Ähnlich sakrale Lieder hat in dieser Konsequenz im Indie-Kontext bislang nur Sufjan Stevens gesungen. Selbstverständlich passt Kozeleks Stimme zu diesen Stücken, sein virtuoses Gitarrenspiel sowieso. Man verschreckt also keinen konservativen Verwandten, wenn man diese Sammlung an den Feiertagen auflegt. Brüche gibt es kaum, vielleicht am ehesten den Dialog im Auftaktstück "Christmas Time Is Here", in dem eine Stimme aus dem Hintergrund fragt, ob es denn sein müsse, dass Mark alles und jeden problematisiere, noch dazu an Weihnachten. Neben den traditionellen Liedern spielt Kozelek mit Bedacht gewählte Coverversionen. Besonders hübsch ist "2,000 Miles" gelungen, im Original von den Pretenders. Das Credo des Songs ist simpel: An Weihnachten ist keiner gern alleine. Doch die Worte und Kozeleks großes Können als Interpret der Songs von Kollegen gehen ans Herz. Gelingt das einem Arschloch? Eher nicht.

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