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1 Autor: Matthias Möde

Pianos Become The Teeth - Keep You

Keep You
  • VÖ: 24.10.2014
  • Label: Epitaph/Indigo
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 260 - Schönheit der Ausgabe

Auf dem dritten Album von Pianos Become The Teeth bilden der neu definierte Sound und die anhaltende Trauer von Frontmann Kyle Durfey eine Einheit – ohne Geschrei, mit melodischen Songs und der Schwermut von The Cures "Disintegration".

"It's a trap", kommentierte jemand den ersten Song aus "Keep You", den Pianos Become The Teeth im Netz vorstellten. Mittlerweile ist klar: Die Band aus Baltimore führte mit dem Stream von "Repine" niemanden in die Irre, sie fand nach einer schwierigen Bandphase nur das Mittel, um die anhaltende Trauer ihres Frontmanns Kyle Durfey mit ihrer Musik zu vereinbaren. "And I repine faster and faster now/ Your wick wont burn away/ What are we without regret?/ What are we?/ Wear me out/ What are we without that end?", heißt es hoffnungsvoll und niederschmetternd zugleich in "Repine". Durfey singt, melodiös und gut. Er schreit nicht mehr, auf dem kompletten Album ist er zwei Mal ganz nah dran. Dafür wirkt es umso intensiver, wenn seine Stimme auf der Grenze zum Geschrei beginnt zu zittern, sich aber nicht überschlägt.

Der Song, der Pianos Become The Teeth auf diesen neuen musikalischen Weg brachte, ist "Enamor Me". Und der klingt – ob die Band das wollte oder nicht – nach der umwerfenden Schwermut von The Cures Meisterwerk "Disintegration": Die schreitenden Drums, der Hall und vor allem die sprenkelnde Gitarrenmelodie umwickeln den klagenden Gesang: "I don't feel any closer to you here." Die anhaltende Trauer Durfeys kommt in seinen Texten immer wieder durch. Gleich im melancholisch-aufbauenden Opener "Ripple Water Shine" heißt es: "I'm still always slowly waiting for what follows/ For what I've learned about being so defined by someone dying." 2009 handelte das Pianos-Debüt "Old Pride" davon, wie Durfey versuchte, mit der Multiple-Sklerose-Erkrankung seines Vaters umzugehen, auf dem letzten Album "The Lack Long After" (2011) schreit Durfey seine Trauer heraus, nimmt Abschied von seinem verstorbenen Vater und verspricht ihm im letzten Song "I’ll Get By", dass er klarkommen wird. Auf die Musik seiner Band übertragen, hat das ein paar Jahre gedauert.

Abseits von der persönlichen Geschichte hinter "Keep You", setzt das Album mit seinen melancholisch-melodischen Indie-Posthardcore-Songs den Zustand zwischen Trauer und Hoffnung musikalisch so perfekt um, wie es schon lange niemandem mehr gelungen ist. Wenn das Pendel Richtung Trauer ausschlägt, kann das als Zuhörer beinahe schwer zu ertragen sein. Die besten Platten sind zwar nicht die, die wirklich traurig machen, aber die, die unter die Haut gehen, deren Essenz man sich aber nicht mit wenigen Wörtern tätowieren lassen kann.

Leserbewertung: 9.4/12

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Kommentare (1)

Avatar von Libano Libano 24.10.2014 | 19:06

Bisher ging Piano als weitere Posthardcore-Kapelle spurlos an mir vorbei. Nach dem ersten Hördurchgang war es mit dieser Scheibe nicht unbedingt anders. Aber irgendetwas hat mich dazu gebracht "Keep You" nochmals zu hören und siehe da, sie hat mich gepackt.

Der Vergleich mit The Cure´s Überalbum ist m.E. zu hoch gegriffen und hinkt soundtechnisch gewaltig. Emotional und klanglich erinnert mich das Album viel mehr an "Automatic..." von REM, das für mich nach wie vor beste REM-Werk.

Bleibt für die Zukunft von Piano nur zu wünschen, dass ihre Entwicklung in die neue Richtung weiter geht. Austauschbare schreiende und keifende "Sänger" gibt es im Genre schließlich genug.

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