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0 Autor: Carsten Sandkämper

Gazpacho - Demon

Demon

Was uns an dieser Platte gefällt, ist vor allem die Tatsache, dass manch einer wahrscheinlich schon Stresspickel bekommt, wenn er nur die Eckdaten liest: Neo-Prog-Konzeptalbum mit vier Songs in 45 Minuten. Strike!

Denn manchen VISIONS-Lesern wird es ähnlich gehen wie Britta Helm, die beim Hören von Steven Wilsons "The Raven That Refused To Sing" ein Flötentrauma bekommt. Angesichts des neuen Albums von Wilsons norwegischen Labelmates Gazpacho muss man aber erklären, dass auch drei Minuten tschechische Folklore in "The Wizard Of Altai Mountain" kein Qualitätskriterium, kein definierendes Element eines Prog-Albums sind. Lediglich ein Schreckgespenst, in dessen Gewand man sich populistisch festbeißen kann. Probieren wir es seriös: Ein Album wie "Demon" ist von vielen Seiten angreifbar. Ausgehend von der Tatsache, dass sich Gazpacho gern als Artrocker gerieren, enttäuscht ihre neue Platte leider vollends, denn die Band versucht mit stoischem Gleichmut den unmöglichen Spagat zwischen populären Strukturen und gespielter Avantgarde. Dieser Als-ob-Wahnsinn ist leider auf Albumlänge schmerzlich offensichtlich und entschärft jedes herbeigeredete Extrem. Zwei Jahre lang haben Gazpacho versucht, die Legenden von Tagebüchern zu verarbeiten, die in den Wänden eines Prager Altbaus gefunden wurden und von einer "rätselhaften dämonischen Kraft" erzählen. Was in Arrangements monumental, in Texten wortgewaltig und produktionstechnisch ausgefeilt daherkommt, bleibt am Ende leider wenig fesselnd, harmonisch trivial und viel zu oft klischeehaft - wenn es ganz schlimm kommt gar kitschig.

Bewertung: 6/12
Leserbewertung: 7.0/12

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