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0 Autor: Markus Hockenbrink

Youth Lagoon - Wondrous Bughouse

Wondrous Bughouse

Im Muster des Teppichbodens wohnen Welten, in denen es sich zu verschwinden lohnt. Trevor Powers AKA Youth Lagoon macht die ganz große psychedelische Kiste auf, um nie wieder daraus aufzutauchen. Ein Wurmloch in der Gummizelle.

Das Artwork von "Wondrous Bughouse" hängt im echten Leben im Universitätsklinikum von Heidelberg, der Soundtrack dazu ist wesentlich leichter zu beschaffen. Trevor Powers sieht aus wie der quintessentielle Hipster-Nerd der Jahrtausendwende, seine Musik verabschiedet sich jedoch noch vor dem ersten Schluck Club Mate. Und zwar in Richtung LSD-Trip. Bullenbesuch ist allerdings nicht zu befürchten. Auch Drogenmuffel werden vor der heimischen Playstation abgeholt, sobald Powers sein unausgebildetes Organ über die spinnwebigen Songs legt. "Wondrous Bughouse" ist ein Gemälde, das auf die hintere Hirnrinde projiziert wird, wenn man eigentlich gerade pennen will, und das eine leicht aufdringliche Frage stellt: Träumst du schon oder schläfst du noch? Drei phänomenale Stücke, "Mute", "Dropla" und "Raspberry Cane", bilden die Eckpfeiler der betäubten Reise, an deren Ende man als anderer Mensch wiedergeboren wird. Allen gemeinsam ist das angetäuschte klassische Songwriting, das im Verlauf der LP unter einem wegbricht wie morsche Fantasy-Brücken mit oder ohne Troll. Als Hörer wird man aufgefangen in einem kaleidoskopartigen Melodierausch, der so verschwenderisch mit seinen Ideen umgeht, dass nebenbei eine ganz andere Welt herausspringt. Darin fressen einem bunte Einhörner aus der Hand, blumenbewehrte Kinderarmeen setzen sich in Bewegung, und über allem schwebt eine Wolke narkotisierter Verzweiflung. Fantastisch das alles, und schon jetzt eines der Alben des Jahres.

Indierock
Dreampop

Weiter hören:
The Flaming Lips
"The Soft Bulletin"

MGMT
"Congratulations"

Bewertung: 10/12

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