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0 Autor: Britta Helm

Adolar - Die Kälte der neuen Biederkeit

Die Kälte der neuen Biederkeit

Spießiger als Spießer sind nur die, die Spießer spießig finden. Adolar drehen die neue Biederkeit mit belanglosem Jahrtausendwenden-Deutschpop auf lauwarm.

Für ihre Generation wollten die Leipziger sowieso nie stehen, bloß nicht zu jung und studentisch und WG-gewöhnt, und haben sich mit ihren ersten beiden Alben umso gezielter zwischen adoleszenten Narzissmus und Küchenmöbel vom Sperrmüll gesetzt. Gut war das, weil sowohl "Schwörende Seen, Ihr Schicksalsjahre" als auch "Zu den Takten des Programms" emozwinkernden Indierock mit clever verpackten Gefühlen verband. Hass auf DJs, Biffy-Refrains, runde Sache. "Die Kälte der neuen Biederkeit" ist nach dem Aus von Unterm Durchschnitt nun beim besonders integren Punklabel Zeitstrafe gelandet und will es der Welt von da auch noch doller zeigen. Sänger Tom Mischok war sowieso nie der Menschenfreund, inzwischen hat er seine Verachtung für alles und jeden so lange heraushängen lassen, dass ihr ein Bart gewachsen ist. Fürchterlich spießig findet er Bausparer und Schnittchenservierer, viel origineller anscheinend Stream-Of-Consciousness-Texte, für die man aus jedem Volkshochschulkurs über kreatives Schreiben geworfen würde. „Aus dem Zimmer einer Freundin sehe ich in die Nacht/ Die Leute, die hier wohnen, sind wahrscheinlich nicht mehr wach.“ Der eigentlich ganz hübsche Postrock verschwindet darunter so wie an anderer Stelle die flotten Postpunk-Momente und wieder anderswo die Rockballadenhaftigkeit. Darüber hinaus besteht das dritte Adolar-Album nur aus schablonengenauen Stakkato-Strophen mit netten Gitarren im Hintergrund und Ausbruch-Refrains, wie sie Madsen, Wir sind Helden und Virginia Jetzt! (mit weniger Streicherquatsch) so langsam hinter sich haben.

Emorock
Indierock
Postpunk

Wäre gerne wie:
Editors
"The Back Room"

Frau Potz
"Lehnt dankend ab"

Bewertung: 5/12
Leserbewertung: 8.7/12

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