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Hanni El Khatib - Head In The Dirt

Head In The Dirt
  • VÖ: 30.08.2013
  • Label: Vertigo/Universal
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 246 - Schönheit der Ausgabe

Vom rudimentären DIY-Debüthit zum aufwändiger produzierten und co-komponierten Garagenrock mit Pop-Tendenzen. Hanni El Khatib steht im Saft.

„Ich wollte es im Studio laufen lassen“, sagt Hanni El Khatib. Deshalb war er offen für Ideen derjenigen, die ihm zur Seite standen. Neben Black-Keys-Sänger und –Gitarrist Dan Auerbach war das unter anderem auch Greenhornes- und Raconteurs-Schlagzeuger Patrick Keeler. Gute Leute, deren Einfluss er zuließ. „Deshalb hat jeder einen Credit für den Song bekommen, wenn er eine Idee geliefert hat, die besser war, als meine eigene.“ Auf El Khatibs ziemlich genau zwei Jahre altem Debüt "Will The Guns Come Out" war das noch anders. Darauf hatte er Hilfe am Schlagzeug und einen Typen an seiner Seite, der den Aufnahmeknopf gedrückt hat. Der Rest – einschließlich der rudimentären Produktion – stammte von ihm selbst. Für einen gewissen Achtungserfolg reichte das. Die Songs – darunter drei Coverversionen von etwa Elvis Presley und Funkadelic – schafften es in Werbespots und TV-Serien, was El Khatib die ausgiebigen Touren finanzierte. Jetzt ist er angekommen und es ist an der Zeit, den Weg auszubauen. „Ich wollte das beste Album machen, zu dem ich fähig war. Aber ich wollte dabei kein Egomane sein, sondern auf Dan und die anderen hören.“ Wann Auerbach dafür zwischen seiner eigenen Band und den Arbeiten für Bombino, Dr. John, Jeff The Brotherhood, Valerie June und so weiter noch Zeit hatte, weiß nur El Khatib: „Er hat sein eigenes Studio, darin arbeiten tagtäglich zwei Leute und er ist besessen von Musik. Wenn er also nicht tourt, dann arbeitet er in seinem Studio – egal, ob dort gerade eine Band ist.“ Auerbach lud El Khatib ein – unter der Bedingung, mit seinem Engineer zu arbeiten. Und er besorgte auch die Mitmusiker. All das hört man "Head In The Dirt" an. Die garagige Schroffheit ist zurückgeschraubt, das wird sofort klar. Der erste Song klingt sauber, mit Background-Gospel, geisterhaften Echos auf der Stimme, Keyboardakzenten. Auerbach – und auch sein Kollege Patrick Carney – sind großzügig bei ihrer Arbeit mit anderen Künstlern. Keinem wollen sie den Erfolg ihrer eigenen Band verwehren. Wenn alle Parteien sich einig sind, dann bürsten sie auf Hit, natürlich mit Vintage-Appeal. Meistens hat El Khatib die passenden Songs dafür. Family geht nach vorne, spendiert Handclaps und jault am Ende kurz auf. "Skinny Little Girl" ist eine orgelnde Halbballade mit swingendem Beat. Die große Überraschung ist die Vorabsingle "Penny", ein Midtempo-Powerpopper, der Pop groß schreibt. So etwas gab es früher bei El Khatib nicht. Ein Glück, dass es ihm trotzdem gut steht.

Leserbewertung: 9.0/12

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