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0 Autor: Ingo Neumayer

The (International) Noise Conspiracy - Survival Sickness

Survival Sickness
  • VÖ: 10.04.2000
  • Label: Burning Heart/Connected
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 85

Mit Refused war er seiner Zeit weit voraus, jetzt frönt Dennis Lyxzén dem Sound unserer Eltern. Ist das noch revolutionär?
Refused have just left the building - und da die Vorstellung, der immer noch stetig wachsenden Fanschar eine ‘Refused In Concert’-Show mit integrierten Videoleinwandsequenzen, in denen kräftig „Can I Scream?“ gebrüllt wird, ziemlich befremdlich wirkt, gibt Dennis Lyxzén lieber selbst den Elvis Guevara. Wie bitte - Elvis? Der Mann, der für „New Noise“, den vielleicht besten Song der letzten fünf Jahre verantwortlich war, und mit seiner Band ‘alternative’ Musikgeschichte geschrieben hat, wandert jetzt auf ausgetretenen Rock’n’Roll-Pfaden? Was soll daran bitteschön neu und innovativ sein? Nichts, wissen die (traditionell äußerst umfangreichen) Linernotes: „The album that you are holding in your hands right now has nothing to do with creativity.“ Da die Totgeburt namens Platte sowieso nie den kreativen Entstehungsprozess einfangen kann, so die Band-Logik, muss man auch nicht ständig am Sklavenrad des Komparativs kurbeln und kann somit konsequent das einst geltende Credo„we need new noise, new art for the real people“ ad acta legen. Wenn es sowieso nur um den Transport von Inhalten, Ideen und Attitüde geht, kann man sich den Sound auch getrost in der ‘Affenmusik’-Schublade unserer Großeltern holen. Für Aufruhr und gesellschaftliche, kulturelle und politische Relevanz war damals schließlich reichlich gesorgt: Elvis durfte wegen seines enormen Jugendgefährdungspotenzials nur von der Hüfte aufwärts gefilmt werden, und die CIA-Akten über ihn sind garantiert umfangreicher als die über das Roswell-Männchen. Das wussten The Make-Up und Mother Superior, und das weiß auch die (International) Noise Conspiracy. Nicht falsch verstehen - „Survival Sickness“ ist musikalisch viel eher mit The Who, Jon Spencer und eben The Make-Up verwandt als mit dem King, und trotz seiner Sixties-Nabelschau erstaunlich modern geraten. Aber der Vergleich passt eben so gut zu einer Platte, die mehr Haltung und Manifest als alles andere ist. Und übrigens: Für eine erklärt unkreative Band rockt „Survival Sickness“ ganz schön abwechslungsreich. Und verdammt gut.

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