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The Knife - Shaking The Habitual

Shaking The Habitual
  • VÖ: 05.04.2013
  • Label: Rabid/Cooperative/Universal
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 241

Titel und Ausmaße der neuen Knife-Platte versprechen nicht zu viel: Mit einzelnen Tracks auf "Shaking The Habitual" sagt das Haunted-House-Duo die Zukunft der elektronischen Musik voraus. Mit denen dazwischen macht es uns allerdings die Gegenwart zur Hölle.

"Shaking The Habitual" beginnt mit zwei Stücken, wegen denen man seine Kurt-Cobain-Poster verbrennen oder wenigstens seinem alten Gitarrenlehrer auflauern will. "A Tooth For An Eye" und "Full Of Fire" strahlen grenzenlose Selbstgewissheit und ebenso großen Ideenreichtum aus. Mit dem melodischen Electro-Pop der ersten drei Alben von The Knife schließen sie endgültig ab, an seine Stelle setzen sie perkussive Strenge und komplexe Kompositionen, die den Weg der 2010er Computer-Oper "Tomorrow, In A Year" fortführen. "Shaking The Habitual" ist ebenso lang wie diese gut 90-minütige Gemeinschaftsarbeit mit Mt. Sims und Planningtorock, und man zahlt abermals einen hohen Preis dafür. Schon die strukturierten Tracks sind hier große Herausforderungen. Die Hälfte des Albums verbringen The Knife aber mit Geräuschmusik, die sie mit manchmal frustrierender Bevorzugung behandeln. "Old Dreams Waiting To Be Realized" steht als 19-minütiges Ambient-Stück in der Mitte der Platte, später folgt ihm das zehnminütige "Fracking Fluid Injection", das nach Fieldrecordings aus einem Sägewerk klingt. Schwer zu sagen, ob sich das irgendjemand außer Brian Eno ein zweites Mal anhören wird. Die Tracks verstellen jedenfalls den Blick auf eine Band, die in ihren fokussierten Momenten ein derzeit einzigartiges Talent dafür zeigt, paranoide Stimmungsbilder in Tanzbarkeit zu übersetzen – und sie beweisen eine Bereitschaft zur Selbstsabotage, die fast genauso beeindruckend ist.

Bewertung: 8/12

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